Auf den Punkt: Die neue Kernel-Schwachstelle „Fragnesia“ (CVE-2026-46300, CVSS 9,9) nutzt einen Fehler im XFRM-ESP-in-TCP-Pfad, um über eine manipulierte „/usr/bin/su“-Binärdatei Root-Zugriff zu erlangen, wobei Exploit und Patches bereits öffentlich auf GitHub vorliegen.
Microsoft warnt vor einer weiteren Rechteausweitungslücke im Linux-Kernel namens „Fragnesia“, die Angreifern vollen Root-Zugriff verschafft. Betroffen ist erneut das XFRM-ESP-Subsystem von IPsec, diesmal über einen Fehler in ESP-in-TCP.
Microsoft hat über den Bluesky-Kanal des Sicherheitsteams eine Warnung vor „Fragnesia“ veröffentlicht, einer weiteren Variante der kurz zuvor am Wochenende offengelegten „Dirty Frag“-Schwachstelle im Linux-Kernel. Wie bei der ursprünglichen Lücke ist das XFRM-ESP-Subsystem betroffen, das für die Verarbeitung von IPsec-Verkehr zuständig ist. „Fragnesia“ nutzt konkret einen Fehler im XFRM ESP-in-TCP-Pfad aus, um sich Schreibzugriff auf den Kernel-Speicher zu verschaffen.
Die Schwachstelle ist als CVE-2026-46300 registriert und wurde von Red Hat mit einem CVSS-Wert von 9,9 als „high“ eingestuft; Ubuntu bestätigt diese Bewertung. Der Angriffsablauf manipuliert gezielt den Seitenspeicher-Eintrag der Binärdatei „/usr/bin/su“. Gelingt dies, kann ein Angreifer anschließend eine Root-Shell öffnen und erhält damit vollständige Kontrolle über das betroffene System.
Entdeckt wurde die Lücke von William Bowling von Zellic, der dabei das firmeneigene, KI-gestützte Schwachstellen-Analysetool V12 einsetzte. Bowling hat auf GitHub ein Projekt veröffentlicht, das einen funktionsfähigen Exploit, Gegenmaßnahmen sowie Quellcode-Patches enthält.
Für Betreiber von Linux-Systemen mit aktivierter IPsec- beziehungsweise XFRM-Funktionalität besteht damit ein unmittelbares Risiko lokaler Rechteausweitung bis auf Root-Ebene. Angesichts des CVSS-Werts von 9,9 und der Tatsache, dass sowohl Exploit-Code als auch Patches bereits öffentlich verfügbar sind, sollten betroffene Systeme zeitnah auf verfügbare Kernel-Updates geprüft und, wo IPsec/XFRM nicht benötigt wird, die Funktion deaktiviert werden, bis ein Fix eingespielt ist.
Quelle: www.heise.de · Erschienen 15. Mai 2026
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