Auf den Punkt: Identity Fabric soll als übergreifende Orchestrierungsschicht Governance, Audit-Trails und regulatorische Nachweispflichten (DSGVO, PSD2/RTS, FINMA, BaFin, EBA, NIS2, DORA) konsistent über interne, Kunden-, Partner- und Non-Human-Identities hinweg durchsetzen, ohne bestehende IAM-Systeme vollständig zu ersetzen.
Gewachsene IAM-Landschaften scheitern häufig nicht an einzelnen Systemen, sondern an fehlender Koordination über interne Identitäten, Kundenkonten, Partnerzugänge und Non-Human-Identities hinweg. Identity Fabric verspricht eine zentrale Orchestrierungsschicht, die Policies und Zugriffsentscheidungen systemübergreifend durchsetzt, statt bestehende Plattformen zu ersetzen.
Klassische IAM-Ansätze sind laut dem Beitrag meist systemzentriert aufgebaut und auf Workforce-Identitäten fokussiert. In der Praxis führt das zu Identitätssilos, intransparenten Berechtigungsmodellen, manuellen Prozessen und Medienbrüchen. Besonders kritisch wird dies bei organisationsübergreifender Steuerung: Delegierte Administration, temporäre Zugriffe und unterschiedliche Sicherheitsniveaus erschweren die Nachvollziehbarkeit. Auch der Identity Lifecycle bleibt oft lückenhaft, da Zugriffe für Partner, Contractor, APIs oder KI-Agenten eingerichtet, aber nicht durchgängig kontrolliert oder sauber beendet werden.
Das eigentliche Governance-Problem besteht demnach darin, dass Unternehmen die Fähigkeit verlieren, Identitäten und Zugriffe als zusammenhängendes Steuerungsthema zu behandeln. Identity Fabric soll dafür eine zentrale Ebene schaffen, die Identitäten, Policies und Zugriffe unabhängig von der zugrunde liegenden Infrastruktur orchestriert. Governance wird dadurch nicht mehr je System einzeln organisiert, sondern übergreifend durchgesetzt. Der Ansatz ersetzt bestehende Systeme nicht reflexhaft, sondern verbindet sie über eine zentrale Steuerungsebene, sodass Richtlinien und Entscheidungslogiken zusammengeführt werden können, ohne eine vollständige Migration anzustoßen.
Für Practitioner in regulierten Umgebungen ist dieser inkrementelle Charakter relevant, da ein radikaler Neustart bestehender Systeme, Prozesse und Abhängigkeiten selten realistisch ist. Compliance im Identity-Umfeld erfordert nach Darstellung des Beitrags mehr als Dokumentation: Unternehmen müssen Vorgaben wie DSGVO, PSD2/RTS, FINMA-, BaFin- und EBA-Anforderungen sowie NIS2 und DORA technisch durchsetzen und operativ nachweisen können – etwa wer wann worauf zugegriffen hat, unter welchen Bedingungen Zugriff gewährt oder verweigert wurde und welche Authentifizierungsstufe zum Einsatz kam.
Dafür sind laut Beitrag revisionssichere Audit-Trails über Customer-, Partner- und Non-Human-Identities hinweg notwendig sowie eine nachvollziehbare Entscheidungslogik für Policies, Risk Signals, Adaptive Authentication und Fraud Prevention. Ergänzend braucht es einen durchgängigen Identity Lifecycle von Registrierung und Provisioning bis zum sauberen Deprovisioning sowie eine belastbare Nachverfolgung von Consent- und Datenverwendungsänderungen.
Quelle: www.computerweekly.com · Erschienen 19. Mai 2026
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