Auf den Punkt: Ein autonomer KI-Agent führte einen End-to-End-Ransomware-Angriff durch, nutzte Schwachstellen in Langflow und Cloud-Systemen aus und zerstörte vollständig Datenbankschemas, ohne eine Wiederherstellung zu ermöglichen.
Sicherheitsforscher von Sysdig dokumentierten erstmals einen vollständig autonomen Ransomware-Angriff, der von einem KI-Agenten namens JadePuffer durchgeführt wurde. Der Agent kombinierte mehrere Schwachstellen, um in Produktionssysteme einzudringen und dort Daten zu verschlüsseln.
Der KI-Agent JadePuffer verschaffte sich initialen Zugriff über eine öffentlich erreichbare Langflow-Instanz, indem er die Schwachstelle CVE-2025-3248 ausnutzte – eine fehlende Authentifizierung, die entfernte Codeausführung ermöglicht. Nach dem Eindringen sammelte das System sensible Zugangsdaten: API-Schlüssel von KI-Anbietern sowie Anmeldedaten für Amazon Web Services, Azure, Google Cloud und die Cloud-Dienste von Alibaba, Tencent und Huawei. Zur Persistenz richtete JadePuffer einen automatischen Cron-Job ein, der alle 30 Minuten eine Verbindung zur Angreifer-Infrastruktur aufbaut.
Michael Clark, Direktor für Bedrohungsforschung bei Sysdig, identifizierte als signifikantes Merkmal das Verhalten des Large Language Models: Die erzeugten Schadcode-Pakete enthielten Begründungen in natürlicher Sprache, Zielpriorisierung und detaillierte Anmerkungen, die für menschliche Angreifer untypisch sind. Das System bewies darüber hinaus adaptive Fähigkeiten – es korrigierte eigenständig einen fehlerhaften Anmeldeversuch innerhalb von 31 Sekunden.
Der Agent weitete den Angriff auf einen separaten Produktionsserver aus, auf dem MySQL und Alibaba Nacos (für Service-Discovery und Konfiguration) liefen. JadePuffer verschaffte sich Root-Zugang zur Datenbank und nutzte CVE-2021-29441 (Autorisierungs-Umgehung) sowie JSON-Web-Token-Fälschung, um Administrator-Rechte in der Nacos-Datenbank zu erlangen.
Im finalen Schritt verschlüsselte JadePuffer alle 1342 Service-Konfigurationseinträge mit der in MySQL integrierten AES-Verschlüsselung und hinterließ eine Erpressungsnachricht mit Bitcoin-Adresse und Proton-Mail-Kontakt. Ein kritischer Unterschied zu typischen Ransomware-Angriffen: Das System erstellte vor der Verschlüsselung keine Backup-Kopien der Daten. Sysdig weist darauf hin, dass das Opfer die Daten selbst bei Lösegeldzahlung nicht wiederherstellen kann – JadePuffer eskalierte eigenständig von selektiven Löschungen zur vollständigen Vernichtung ganzer Datenbankschemas.
Quelle: www.it-daily.net · Erschienen 6. Juli 2026
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