Auf den Punkt: KI-Agenten vergrößern sowohl defensive Fähigkeiten als auch Angriffsflächen erheblich, weshalb Sicherheitsteams ihre Architektur-Ansätze überdenken müssen.
Check-Point-CTO Jonathan Zanger sieht künstliche Intelligenz als transformativste technologische Veränderung seit der Etablierung des Internets — mit fundamentalen Konsequenzen für Cybersecurity-Verteidigung und neue Angriffsszenarien.
Jonathan Zanger, Chief Technology Officer von Check Point Software, charakterisiert das Jahr 2026 als einen Wendepunkt in der Cybersecurity. Im Gespräch mit CSO Spain während der Unternehmenskonferenz Engage 2026 in Paris beschrieb er die gegenwärtigen Veränderungen als vergleichbar mit den Auswirkungen der Internetentstehung auf Sicherheitsarchitekturen.
Zanger erläuterte, wie Check Point KI-Agenten zur Skalierung eigener Abwehrmechanismen einsetzt: Statt dass Sicherheitsteams manuell Advanced Persistent Threats (APTs) analysieren und Signaturen entwickeln, koordinieren KI-Agenten nun etwa 300 kontinuierliche Monitoring- und Test-Instanzen. Das unternehmenseigene Red Team arbeitet laut Zanger dadurch 20-mal effizienter als zuvor. Allerdings kopieren Angreifer diesen Skalierungsvorteil: Es entstehe eine Proliferation kleinerer, schneller agierende Bedrohungsgruppen, die Phishing-Kampagnen mit weniger Fachkompetenz durchführen können.
Ein kritisches Sicherheitsproblem liegt in der Natur von KI-Agenten selbst. Traditionelle IT-Systeme sind deterministisch — gleiche Eingaben führen zu vorhersagbaren Ausgaben. KI-Agenten verstehen natürliche Sprache, handhaben Mehrdeutigkeit und zeigen nicht vorhersagbares Verhalten. Dies erfordere völlig neue Schutzkonzepte, so Zanger. Zusätzlich entsteht ein grundsätzlicher Konflikt: Sicherheitsteams möchten Systemverbindungen begrenzen, um das Angriffsrisiko zu reduzieren; gleichzeitig drängen KI-Initiativen darauf, diese Systeme unternehmensübergreifend zu integrieren. Jede neue Verbindung, die KI-Agenten erhalten, vergrößert die Angriffsfläche.
Generative KI katalysiert auch die Angriffsgeschwindigkeit. Dieselbe Technologie, die Softwareentwicklung beschleunigt, ermöglicht es Cyberkriminellen, Phishing-, Ransomware-, Malware- und Exploitierungskampagnen in beiden Dimensionen — Geschwindigkeit und Volumen — hochzufahren. Dies stelle eine Verteidigungsaufgabe dar, die konventionelle Signature-basierte Systeme an ihre Grenzen treibt.
Quelle: www.csoonline.com · Erschienen 10. Juli 2026
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