Auf den Punkt: Ein Insider der IT-Sicherheitsbranche nutzte seine Position als Verhandler, um Unternehmen auszuspionieren und BlackCat-Erpressungen zu optimieren — zwei Komplizen erhielten ebenfalls vierjährige Haftstrafen.
Angelo Martino, ehemaliger Mitarbeiter der IT-Sicherheitsfirma DigitalMint, wurde zu 70 Monaten Gefängnis verurteilt, weil er als vermeintlicher Berater für Ransomware-Verhandlungen stattdessen selbst mit der Erpressergruppe BlackCat zusammenarbeitete und Opferorganisationen um Milliardensummen brachte.
Der 41-jährige Angelo Martino arbeitete für DigitalMint, ein Unternehmen, das Organisationen bei Verhandlungen mit Ransomware-Erpressern unterstützt. Nach Schuldgeständnis verurteilte ihn ein US-Gericht zu 70 Monaten Gefängnis wegen Beteiligung an Angriffen der Ransomware-Gruppe BlackCat, auch als ALPHV bekannt. Das FBI hatte BlackCat zwischen November 2021 und März 2022 mit mindestens 60 dokumentierten Sicherheitsvorfällen in Verbindung gebracht; bis September 2023 sollen die Täter von über 1.000 Opfern insgesamt mindestens 300 Millionen US-Dollar erpresst haben.
Zwei weitere frühere Mitarbeiter der Sicherheitsfirmen Sygnia und DigitalMint — Kevin Tyler Martin (28 Jahre) und Ryan Clifford Goldberg (33 Jahre) — wurden wegen Verschwörung zur Erpressung verurteilt und erhielten ebenfalls vier Jahre Haft. Martinos Name war anfangs unter Verschluss: Die Anklageschrift vom Oktober 2025 nannte ihn nur als «Mitverschwörer Nummer eins»; erst im März wurden die Gerichtsdokumente entsiegelt.
Laut Gerichtsakten arbeiteten die drei zwischen April 2023 und April 2025 als Partner der BlackCat-Gruppe. Sie forderten von Opfern Lösegeld ein, drohten mit Datenpublikation und verschlüsselten deren Systeme — für den Zugriff auf Ransomware und Erpressungsportal gaben sie ein Fünftel der Summen an die BlackCat-Betreiber ab. Besonders kritisch: Martino nutzte seine offizielle Rolle als Verhandler für fünf Opfer, um interne Informationen weiterzugeben — Versicherungssummen und Verhandlungsspielräume. Dies ermöglichte den Tätern, maximale Zahlungen zu erzwingen.
Zu den betroffenen Organisationen zählen mindestens fünf US-Einrichtungen. Ein Finanzdienstleister zahlte etwa 25,66 Millionen US-Dollar, eine gemeinnützige Organisation rund 26,79 Millionen US-Dollar. Auch Schulbezirke, medizinische Einrichtungen, Anwaltskanzleien und weitere Finanzunternehmen waren unter den Geschädigten. DigitalMint distanzierte sich von den Taten und kündigte die beteiligten Mitarbeiter.
Quelle: www.it-daily.net · Erschienen 10. Juli 2026
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