Auf den Punkt: Ohne isolierte, unveränderliche und streng kontrollierten Backups zahlen 84,5 Prozent der angegriffenen Unternehmen kein Lösegeld und erholen sich dennoch, während zahlende Unternehmen zu 8–33 Prozent scheitern und zusätzlichen Versicherungs- und Sanktionsrisiken ausgesetzt sind.
Obwohl Ransomware in Vorständen längst Tagesgeschäft ist, mangelt es der Mehrzahl von Unternehmen an technischer Grundlage, um nach einem Befall ohne Lösegeldzahlung handlungsfähig zu werden. Eine Studie von HYCU und ActualTech Media zeigt: Zahlungen sind nicht nur teuer, sondern auch unsicher.
Wer Lösegeldforderungen nachgibt, kauft damit keineswegs zuverlässige Normalität zurück. Von den Unternehmen, die die erste Forderung begleichen, erhalten zwar 60 Prozent zunächst wieder Zugriff auf ihre Daten. Ein Drittel muss aber ein zweites Mal zahlen, bevor Wiederherstellung überhaupt möglich ist, und bei 8 Prozent bleibt der Zugang trotz Zahlung gesperrt. Auch wenn ein Entschlüsselungsschlüssel bereitgestellt wird, erstreckt sich der technische Neuaufbau der Systeme üblicherweise über mehrere Wochen.
Jenseits des reinen Lösegeldbetrags entstehen erhebliche finanzielle und rechtliche Risiken. Cyberversicherungen schließen solche Zahlungen vielfach aus der Schadensdeckung aus, während die Prämien in den USA bereits im Schnitt um rund 35 Prozent gestiegen sind. Das US-Finanzministerium warnt, dass Zahlungen an sanktionierte Tätergruppen unabhängig von der Absicht durch die Behörde OFAC mit Strafen geahndet werden können. Zusätzlich gelten Unternehmen, die einmal gezahlt haben, in der kriminellen Szene als zahlungsbereit und werden Studienangaben zufolge überdurchschnittlich häufig erneut angegriffen, teilweise durch dieselbe Gruppe.
Die Gegenzahl zur Entwarnung: Weltweit haben sich 84,5 Prozent der betroffenen Unternehmen ohne jede Lösegeldzahlung wieder erholt. Die notwendige Voraussetzung ist ein Backup, das drei Bedingungen erfüllt. Erstens muss es auf unveränderlichen Speichern liegen — konkret WORM-Speicher (Write Once, Read Many) auf S3-kompatiblem Objektspeicher mit aktivierter Object-Lock-Funktion. Löschbefehle lassen sich dort technisch vor Ablauf einer festgelegten Frist nicht ausführen, selbst mit erbeuteten Administratorrechten nicht. Zweitens muss die Backup-Umgebung von der Produktivumgebung isoliert sein: durch Netzwerksegmentierung, ohne gemeinsame Zugangsdaten, ohne gemeinsame Dienste und ohne Vertrauensbeziehung. Drittens braucht es eingeschränkten Zugriff über rollenbasierte Kontrollen und Aufgabentrennung, sodass selbst autorisierte Superadministratoren Backups nicht manuell löschen können.
Hier offenbart sich die Lücke: 65 Prozent der befragten IT-Verantwortlichen haben kein volles Vertrauen in ihre bestehenden Backup-Lösungen. Von Unternehmen, die einen Angriff erlebt haben, berichten 52 Prozent von messbaren Datenverlusten und 63 Prozent von Betriebsunterbrechungen. Bei der Umsetzung der drei Grundprinzipien sieht es dünn aus: Nur 41 Prozent sichern ihre Backups isoliert, nur 47 Prozent testen sie regelmäßig, und nur 35 Prozent halten ihre aktuellen Werkzeuge für ausreichend an die eigene Umgebung angepasst. 77 Prozent der Unternehmensvorstände beteiligen sich zwar aktiv an Präventionsdiskussionen — die technische Umsetzung hinkt dieser Aufmerksamkeit jedoch hinterher.
Quelle: www.it-daily.net · Erschienen 14. Juli 2026
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