Auf den Punkt: Anthropic und OpenAI verfolgen gegensätzliche Strategien zur KI-Regulierung auf Bundesstaaten-Ebene: Anthropic unterstützt progressiv strengere Standards, OpenAI sucht nach einheitlichen Regelwerken.
Anthropic setzt auf ein anderes Regulierungsmodell als sein Konkurrent OpenAI: Statt auf einheitliche Bundesstaaten-Regelungen zu drängen, unterstützt der KI-Sicherheitsfokussierte das Konzept, dass Bundesstaaten zunehmend strengere Standards setzen. Dies hat bedeutende Konsequenzen für die künftige US-amerikanische KI-Regulierung.
Anthropic verfolgt eine bewusst andere Lobbyingstrategie in den US-Bundesstaaten als OpenAI. Während OpenAI-Vertreter die sogenannte „Reverse Federalism“ propagieren – eine nationale KI-Regulierung durch Harmonisierung einzelner Bundesstaaten-Gesetze – lehnt Anthropic diesen Ansatz explizit ab. Cesar Fernandez, Head of U.S. State and Local Government Relations bei Anthropic, betonte gegenüber Politico, dass das Unternehmen nicht „dieselbe Gesetzesvorlage in jedem einzelnen Bundesstaat unterstützen“ möchte, sondern gezielt nach Regelungen suche, die die Sicherheitsanforderungen für die leistungsfähigsten KI-Systeme deutlich erhöhen.
Dieser Gegensatz ist strategisch relevant für Compliance-Verantwortliche: Während OpenAI-Lobbyistin Liz Bourgeois argumentiert, dass einheitliche Standards den Einsatz von Ressourcen für Sicherheit ermöglichen statt Erfüllung konkurrierender Anforderungen, sieht Anthropic die Notwendigkeit, mit der schnellen Entwicklung von KI-Modellen Schritt zu halten. Anthropic war das einzige führende KI-Labor, das Kaliforniens Gesetz von 2025 zur Regulierung fortgeschrittener KI-Modelle unterstützte – das erste Gesetz dieser Art in den USA. Darüber hinaus unterstützte das Unternehmen ambitioniertere Gesetzesentwürfe in New York, Illinois und Massachusetts.
Fernandez begründete diese Haltung damit, dass die schnelle Entwicklung immer leistungsfähigerer Modelle stärkere Maßnahmen erfordert. Anthropic hat in Tests seines Modells Claude Mythos festgestellt, dass dieses potenziell Sicherheitslücken in gängigen Betriebssystemen ausnutzen kann. Die Compliance-Anforderungen beschränken sich nach Anthropics Ansicht nicht mehr auf Transparenz und Selbstmeldepflichten, sondern müssen substanzielle Sicherheitsverpflichtungen für Anbieter enthalten. Für Organisationen im Regulierungsumfeld bedeutet dies, dass mit einer Fragmentierung von KI-Sicherheitsanforderungen über Bundesstaaten hinweg zu rechnen ist.
Quelle: www.politico.com · Erschienen 15. Juli 2026
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