Auf den Punkt: Airbus reduziert die AWS-Abhängigkeit für geschäftskritische Systeme und vertraut dabei auf europäische Cloud-Infrastruktur statt US-Hyperscaler.
Der Flugzeugbauer Airbus lagert 900 als kritisch eingestufte Anwendungen von Amazon Web Services auf den französischen Cloud-Anbieter Scaleway aus. Im ersten Schritt wechseln 70 Systeme mit ERP-, Manufacturing- und CRM-Funktionen den Provider — ein Signal für europäische Datensouveränität in sensiblen Sektoren.
Airbus zieht insgesamt 900 Anwendungen, die das Unternehmen als geschäftskritisch einstuft, von Amazon Web Services (AWS) ab. Die Migration erfolgt in Phasen: In der ersten Stufe werden 70 Systeme zu Scaleway verlagert, darunter ERP-Software (Enterprise Resource Planning), Manufacturing Execution Systems zur Fertigungssteuerung, CRM-Lösungen und Produktlebenszyklus-Management-Software.
Airbus hatte im Dezember 2025 eine Ausschreibung für die Aufgabe ausgerufen, der offizielle Auswahlprozess fand Anfang 2026 statt. Nach Angaben von Catherine Jestin, Leiterin des Digitalbereichs bei Airbus, war entscheidend, dass Scaleway ein technisch überzeugendes Konzept mit wettbewerbsfähigen kommerziellen Bedingungen im Vergleich zu etablierten Hyperscalern bot. Zusätzlich hat sich Scaleway verpflichtet, Airbus bei der Weiterentwicklung seiner Produkt-Roadmap einzubinden.
Die Migration betrifft zunächst jene Anwendungen, die für die „Minimum Viable Company“ des Unternehmens unverzichtbar sind — also für den Notbetrieb erforderliche Funktionen. Dass ein europäischer Anbieter einen Auftrag dieser Größe bewältigen kann, war zu Projektbeginn nicht gesichert, hatte Airbus doch vormals auf die begrenzte Skalierbarkeit europäischer Cloud-Anbieter im Vergleich zu US-Konzernen hingewiesen.
AWS bleibt für weitere Dienste im Einsatz: Die Datenplattform Skywise zur Erfassung und Auswertung von Luftfahrtdaten sowie das System für technische Kundenanfragen-Bearbeitung verbleiben bei AWS. Auch Partnerschaften mit Microsoft, Google, Salesforce, Coupa und Workday bestehen fort. Jestin betonte, dass der Anbieter-Mix nicht nach dem Kriterium „europäisch ja/nein“ erfolgt, sondern nach Datensensibilität. Mit der Skaleway-Umgebung werden zentrale Datenbestände vor Zugriff durch ausländische Gesetze geschützt, während die Kontrolle und Stabilität der Betriebsabläufe erhalten bleibt.
Quelle: www.it-daily.net · Erschienen 20. Juli 2026
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