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Deutscher und US-Behörden zerschlagen Phishing-Service Kratos

Auf den Punkt: Deutsche und US-Behörden haben den Phishing-Service Kratos, der über 1.800 kriminelle Nutzer zu etwa 15.000 Kampagnen pro Monat befähigte, zerschlagen und seinen Betreiber in Indonesien festgenommen.

Das Bundeskriminalamt und die Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität haben gemeinsam mit US-amerikanischen Ermittlern die zentrale Infrastruktur des Phishing-Services Kratos stillgelegt. Der Service war einer der weltweit am meisten verbreiteten Phishing-Baukästen.

Das Bundeskriminalamt (BKA) und die Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) bei der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt haben gemeinsam mit US-amerikanischen Behörden die Infrastruktur des Phishing-Services Kratos deaktiviert. Der Entwickler und technische Administrator wurde in Indonesien festgenommen. Nach Angaben der Ermittler sind zentrale technische Komponenten abgeschaltet und die gesamte Kratos-Infrastruktur außer Betrieb genommen worden. Mehr als 200 Server der Gruppe wurden unschädlich gemacht.

Kratos war ein digitaler Baukasten, mit dem Cyberkriminelle insbesondere täuschend echte Microsoft-Authentifizierungs-Webseiten erstellen und verwalten konnten. Diese Seiten dienten dem Diebstahl von Zugangsdaten wie Passwörtern und E-Mail-Adressen. Das Geschäftsmodell beruhte darauf, den Baukasten an andere Cyberkriminelle zu vermieten, die dann eigenständig Phishing-Kampagnen durchführten. Dies ermöglichte auch technisch weniger kompetenten Akteuren, groß angelegte Anschläge auszuführen. Seit 2024 soll die Gruppe über 300.000 Euro erwirtschaftet haben.

Nach Behördenangaben erwarben mehr als 1.800 kriminelle „Franchisenehmer“ Kratos und führten damit monatlich etwa 15.000 Phishing-Kampagnen durch. Jede Kampagne hatte das Potenzial, mehrere tausend Empfänger weltweit zu schädigen. Die Opferzahlen stammen aus mehr als 30 Ländern, überwiegend aus Europa und den USA, und belaufen sich seit Ende 2024 auf Hunderttausende. Durch den Schlag seien zudem Angriffe auf hunderttausende potenzielle Opfer weltweit abgewehrt worden.

Für CISOs ist dieser Erfolg relevant, da Kratos-basierte Anschläge mit hoher Professionalisierung und Reichweite arbeiten konnten. Die Zerlegung der Infrastruktur reduziert unmittelbar die Bedrohungsoberfläche, während die breite Verfügbarkeit des Baukastens verdeutlicht, dass auch technisch basierte Angriffe durch koordinierte internationale Ermittlungen gestoppt werden können. Carsten Meywirth, Leiter der Abteilung Cybercrime im BKA, betont, dass die Aktion zeigt, dass sich auch hochprofessionelle Phishing-Infrastrukturen wirksam bekämpfen lassen.


Quelle: www.it-daily.net · Erschienen 20. Juli 2026
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