Auf den Punkt: Unternehmen müssen Resilienz neu definieren: nicht nur Uptime, sondern auch Datenschutz und akzeptable Datenverlust-Toleranzen sind gleichwertige Komponenten der Geschäftskontinuität.
CISOs übernehmen zunehmend Verantwortung für Business Resilience und Recovery – eine Entwicklung, die Fachverbände wie Gartner mittlerweile bewusst adressieren und damit auch Vorstandsdiskussionen prägen.
CISOs sind in ihrer Rollendefinition längst über reine Prävention hinausgewachsen. John Bruggeman, Consulting-CISO bei OnX und CBTS, fasst die Mindset-Verschiebung zusammen: Erfahrene CISOs mit IT-Hintergrund denken operativ in Kategorien von Verfügbarkeit – „Wie stelle ich sicher, dass wir nicht komplett down sind?“ Mit 30 Jahren Erfahrung in Organisationen unterschiedlichster Größe (von 75 bis 40.000 Mitarbeitern) kennt Bruggeman beide Extreme. Resilienz war für CISOs immer Thema, nur wird es nun explizit benannt und ins Zentrum geschoben.
Anlass dieser Aufmerksamkeit ist real: Nach dem globalen Outfall von CrowdStrike im Sommer 2024 schuf das Unternehmen die Position eines Chief Resilience Officer – ein klares Signal an Kunden, Regulierungsbehörden und Investoren. Nicht jedes Unternehmen wird diesem Beispiel folgen; für die meisten fällt dieses Mandat dem CISO zu. Bruggeman argumentiert, dass Begriffe wie „Resilience“ gezielt in Vorstandsdiskussionen platziert werden sollten, um Budgets zu sichern. „Wenn Gartner darüber spricht, reden auch CEO und Board darüber – und dann folgt die Finanzierung.“ Ein Reframing von „Backup“ zu „resilient“ zahlt sich aus.
Aimee Cardwell, Consultant und CIO/CISO in Residence bei Transcend, warnt jedoch vor einer zu engen Definition. Resilienz bedeute nicht nur Wiederherstellung der Verfügbarkeit, sondern auch Schutz vor Datenverlust durch Tokenisierung oder Verschlüsselung. Bislang wurden diese Aspekte ungleich gewichtet: Unternehmen konzentrierten sich auf schnelle Wiederinbetriebnahme, vernachlässigten aber oft die Frage, wo sensitive Daten liegen und wie exponiert sie sind.
Die Balance verschiebt sich mit dem Geschäftstyp. Stark regulierte Branchen wie Finanzsektor und Gesundheitswesen priorisieren Datenschutz über Uptime – ein Datenverlust schadet der Marke nachhaltiger als zwei Tage Ausfall. Unternehmen ohne besonders sensitive Daten (wie Amazon mit tokenisierten Kreditkarten) können es sich leisten, Uptime zu priorisieren: Jede Minute Downtime kostet Millionen. Cardwell fordert, dass CISOs explizite Toleranzen für Datenverlust definieren – nicht nur für Wiederherstellungszeit, sondern auch für akzeptable Datenverlust-Szenarien in Quantität und Art.
Quelle: www.csoonline.com · Erschienen 27. Juli 2026
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