Auf den Punkt: CISA und Five-Eyes-Partner veröffentlichen ein sechsstufiges Verfahren zur kontrollierten Isolierung kritischer Infrastrukturen, das deren Weiterversorgung während Angriffen ermöglicht.
Die US-amerikanische CISA und Partner-Agenturen aus der Five-Eyes-Allianz haben ein strukturiertes Verfahren zur Isolierung kritischer Infrastrukturen während und nach Cyberangriffen veröffentlicht. Das Verfahren „CI Fortify" soll Organisationen helfen, ihre Systeme so abzutrennen, dass Angreifer begrenzt werden und ein sicherer Wiederaufbau möglich bleibt.
CISA, das UK National Cyber Security Centre, Australiens Australian Signals Directorate, Canadas Communications Security Establishment und Neuseelands Government Communications Security Bureau haben gemeinsam die Richtlinie „CI Fortify“ entwickelt. Das Dokument adressiert ein bekanntes Defizit: Während die meisten IT-Verantwortlichen wissen, dass kritische Infrastrukturen im Krisenfall isoliert werden sollten, fehlt vielen die praktische Handlungsanleitung.
Das Verfahren besteht aus sechs Schritten: (1) Identifikation vitaler Systeme und Netzwerke, (2) Identifikation kritischer Kunden beziehungsweise Dienste, (3) Klassifizierung nach Kritikalitätsgraden und Vertrauensstufen, (4) Kartierung von Isolierungspunkten und Verbindungen zu kritischen Systemen, (5) Aufbau effektiver Separationen und Isolierungspunkte, (6) Erstellung und Test eines Isolierungsplans. Ziel ist es, kritische Services in einem isolierten Zustand weiterhin betreiben zu können – nicht deren vollständige Abschaltung.
Die Klassifizierung nach Kritikalität soll Netzwerke, Hosts und Systeme in Zonen unterteilen, basierend auf ihrer Funktion und Gefährdungslage. Dies erfordert zunächst eine Bestandsaufnahme der Verbindungen zu externen Systemen: Remote-Zugriffe von Beratern und Managed-Service-Providern, Cloud-Umgebungen, Carrier-Netzwerke, WiFi, Satellit, Funk und Mobilfunk. Jede Verbindung ist auf Sicherheitsmechanismen (etwa Verschlüsselung) zu überprüfen und zu dokumentieren – einschließlich Gateway-Informationen, Architekturen, Firewall- und VPN-Konfigurationen.
Hintergrund für die Richtlinie sind wiederholte Ausfälle kritischer Infrastrukturen: Diese Woche musste die Minnesota Water Utilities ihre Betriebstechnik-Systeme nach einem koordinierten Angriff stilllegen; die CAF Bank sperrte ihre Online-Services wegen einer Drittanbieter-Schwachstelle. Die Richtlinie betont, dass Zero-Trust-Netzwerk-Ansätze das Isolierungsproblem zwar reduzieren können, Isolation zwischen Netzwerken und Services aber weiterhin erforderlich bleibt – insbesondere für OT-Systeme (Operational Technology), die vermehrt von staatlichen Akteuren angegriffen werden.
Quelle: www.csoonline.com · Erschienen 30. Juli 2026
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