Auf den Punkt: Google hat seine erst am 30. Juli eingeführte KI-Bildfunktion in Google Earth nach 24 Stunden zurückgezogen, nachdem sich damit realistisch wirkende, aber frei erfundene Szenen an echten Koordinaten erzeugen ließen.
Google hat die am 30. Juli eingeführte Funktion „Create Image“ in Google Earth binnen 24 Stunden wieder deaktiviert, nachdem sich damit erfundene, an reale Koordinaten gebundene Szenen erzeugen ließen. Für Sicherheitsverantwortliche zeigt der Vorfall, wie schnell generative KI-Funktionen in Geodaten-Anwendungen zu Desinformationsrisiken werden können.
Google integrierte am 30. Juli 2025 sein Bildmodell Nano Banana 2 direkt in Google Earth. Über die Funktion „Create Image“ konnten Nutzer per Texteingabe Satelliten-, Luft- und 3D-Ansichten realer Orte verändern, etwa um Bauprojekte oder Stadtentwicklungen zu visualisieren. Bereits am Folgetag zeigte sich, dass sich damit auch frei erfundene Szenen erzeugen ließen, die durch die Verknüpfung mit echtem Kartenmaterial an realen Koordinaten besonders glaubwürdig wirkten. Der Rechercheur Henk van Ess demonstrierte dies unter anderem anhand fiktiver Szenen nahe der Grenze zwischen den USA und Mexiko sowie im Zusammenhang mit einer angeblichen Anlage im Iran. Der US-Sender NPR erzeugte in eigenen Tests ein nicht existierendes Feuer auf einer iranischen Insel sowie eine fiktive Überschwemmung am US-Kapitol; keine der getesteten Anfragen wurde vom System zurückgewiesen.
Für Sicherheitsverantwortliche ist der Fall relevant, weil er ein wiederkehrendes Muster bei der schnellen Integration generativer Modelle in etablierte, als vertrauenswürdig geltende Plattformen aufzeigt: Die Verknüpfung KI-generierter Inhalte mit realem, verifizierbarem Kartenmaterial senkt die Erkennbarkeit von Fälschungen erheblich und erhöht das Missbrauchspotenzial für Desinformationskampagnen, etwa im Kontext geopolitischer Spannungen oder kritischer Infrastruktur. Dass Screenshots generierter Bilder ungehindert geteilt werden konnten, verdeutlicht zudem, dass technische Schutzmechanismen wie Wasserzeichen allein Missbrauch nicht verhindern, sobald Inhalte den kontrollierten Rahmen der Anwendung verlassen.
Google erklärte über einen Sprecher, man habe zwar sinnvolle Nutzung durch Geodaten-Fachleute beobachtet, jedoch auch Fälle, in denen geteilte Screenshots offenbar gegen die eigenen Richtlinien verstießen. Die Funktion werde daher zurückgenommen, während an stärkeren Schutzmechanismen gearbeitet werde. Google betonte, die generierten Bilder seien mit Wasserzeichen versehen gewesen und hätten nie in der öffentlichen Google-Earth-Ansicht erschienen, sondern nur für den jeweiligen Nutzer sichtbar. Der Vorfall reiht sich in eine Serie ähnlicher Rückzüge ein: Meta hatte am 7. Juli mit Muse Image eine Funktion zur Erzeugung von KI-Bildern auf Basis öffentlicher Instagram-Konten eingeführt und binnen einer Woche wieder entfernt.
Für die Praxis bedeutet das: Bevor generative Bild- oder Videofunktionen in Unternehmensanwendungen mit Bezug zu Geodaten, Kartenmaterial oder anderen als verlässlich wahrgenommenen Quellen eingeführt werden, sollten Missbrauchsszenarien mit Blick auf Desinformation und die Verifizierbarkeit von Ausgaben systematisch getestet werden, nicht erst nach dem Rollout.
Quelle: www.it-daily.net · Erschienen 3. August 2026
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