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Professionelle WordPress-Portale mit der Claude-Trinität — eine Iterations-Geschichte aus der Praxis

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Wer heute ein professionelles WordPress-Portal aufbauen will, steht vor einer Entscheidung, die seit zwei Jahren falsch gestellt wird. Die übliche Frage lautet: Soll ich es selbst machen oder eine Agentur beauftragen? Die richtige Frage lautet: Wie organisiere ich die Iteration zwischen mir, Claude und der Site, sodass am Ende ein Ergebnis steht, das mit beiden Wegen mithalten kann — und keinen davon braucht?

Eine ehrliche Beobachtung vorweg

Diese Website, auf der du diesen Text liest, ist das beste Beispiel, das ich liefern kann. Vor einigen Stunden bestand sie aus 607 Beiträgen, einer ungenutzten Editorials-Kategorie, einer NIS-2-Subkategorie mit genau einem einzigen Post, einem durcheinandergewürfelten Feed-Mapping (der bestehende „BleepingComputer“-Import zog tatsächlich Krebs-on-Security-Beiträge, der „OpenAI-News“-Import zeigte auf BleepingComputer und so weiter), Posts mit kaputten Titeln wie „On the <dl>“ und einer Sprach-Linie, die zwischen deutschem Header und englischen Beiträgen zerfaserte.

Anderthalb Stunden später hatten Claude und ich gemeinsam: ein eigenes WordPress-Plugin entwickelt, installiert und produktiv eingesetzt (Lumi Feedzy Bridge, dreizehn REST-Endpoints, knapp tausend Zeilen PHP), die vierundzwanzig kaputten Imports gelöscht und durch vierzig sauber konfigurierte ersetzt, drei zusätzliche österreichische Quellen integriert (KSÖ, itwelt.at, noyb DE), die NIS-2-Kategorie von einem auf hundertacht Posts gebracht, neun globale Tags angelegt und auf hunderten Bestands-Posts heuristisch verteilt, ein zweites Plugin für die Tag-Filterleiste gebaut, sieben redaktionelle Editorials publiziert — und einen sauberen Statusbericht hinterlassen, der reproduzierbar dokumentiert, was passiert ist.

Eine Agentur hätte für diese Arbeit ein Angebot vorgelegt, das vermutlich im fünfstelligen Bereich gelegen hätte. Ich allein, mit Mausklicks im WordPress-Admin, hätte mindestens ein verlängertes Wochenende gebraucht und am Ende gewisse Fehler in der Wiederholungsschleife immer wieder gemacht. Die eigentliche Veränderung ist nicht „schneller“ oder „billiger“. Die eigentliche Veränderung ist, dass die richtigen Fragen gestellt werden konnten — und in einem Tempo beantwortet wurden, das menschliche Aufmerksamkeit dort hielt, wo sie hingehört: bei der Strategie, nicht bei der Tipparbeit.

Die Architektur der Zusammenarbeit

Wer Claude in WordPress-Arbeit einsetzen will, sollte aufhören, ihn als „Assistent“ zu denken, der einem Anweisungen abnimmt. Er ist drei Charaktere, die unterschiedliche Arbeitsweisen beherrschen, und das volle Potenzial entsteht erst, wenn man die Choreografie zwischen ihnen klärt.

Claude AI ist die Architektin. Sie sieht die Site nicht direkt, aber sie versteht die Konzepte. Wenn ich vor einer Strukturfrage stehe — „brauche ich Sub-Sub-Kategorien für Features/Capabilities/Use Cases, oder reichen Tags, oder beides?“ —, ist sie der Ort, wo ich die Optionen mit Pro und Contra durchspiele, bevor ich auch nur einen einzigen Klick mache. Sie zwingt mich, die Frage scharf zu stellen, bevor wir an die Umsetzung gehen. Genau das war heute der Fall, als wir das Features/Capabilities-Modell strukturiert haben — drei Optionen, klare Empfehlung, schnelle Entscheidung, und erst dann ging die Arbeit los.

Claude Code ist die Engineerin. Sobald das Konzept steht und Code geschrieben werden muss — ein Plugin mit REST-Endpoints, eine Theme-Anpassung, ein PHP-Snippet —, übergebe ich an Claude Code. Sie arbeitet mit Repository-Strukturen, kennt die WordPress-Coding-Standards, schreibt sauber kommentierten Code, der gegen aktuelle PHP-Versionen läuft. Das Lumi-Feedzy-Bridge-Plugin und der Tag-Filter-Snippet sind beides Beispiele, bei denen Code in einer Qualität entsteht, die ich mir selbst nicht zugetraut hätte — und das, ohne dass ich für einen Moment das Gefühl gehabt hätte, es wäre „mein“ Code nicht mehr.

Claude Cowork ist die Operations-Partnerin. Sie hat den Application Password meines WordPress in der Hand, sie ruft die REST-API, sie sieht die Live-Reaktion der Site auf ihre eigenen Befehle. Sie hat in der heutigen Session vierundzwanzig Imports gelöscht, vierzig neue angelegt, hunderte von Posts re-kategorisiert, sieben Editorials publiziert. Sie ist diejenige, die das Konzept aus Claude AI und den Code aus Claude Code in eine laufende Site übersetzt.

Die Stärke entsteht aus der Übergabe. Claude AI schreibt mir den Übergabe-Prompt für Claude Code, weil sie weiss, wie ihre Schwester arbeitet. Claude Code schreibt mir den Trigger-Befehl für Claude Cowork. Cowork meldet zurück, was tatsächlich passiert ist. Dieser Kreislauf — Konzept, Code, Wirkung — ist das eigentliche Werkzeug.

Iterationen sind kein Eingeständnis, sondern die Methode

Ein Punkt, der unterschätzt wird: das Ergebnis entsteht nicht im ersten Wurf. Es entsteht im dritten, vierten, manchmal achten Anlauf. Wer mit Claude an einem WordPress-Portal arbeitet und enttäuscht ist, dass die erste Antwort nicht direkt umsetzbar ist, hat das Modell falsch verstanden. Iteration ist nicht der Bug, Iteration ist das Feature.

Heute hatten wir mehrere klassische Iterations-Schleifen. Bei der ersten Welle der Kategorie-Bereinigung habe ich Posts ohne Kategorie pauschal in „Cybersecurity“ geschoben — und am Ende war auch ein „Introducing Claude Opus 4.6″ dort gelandet. Falsch. Zweite Iteration: Bulk-Reassign mit feinerer Heuristik, Claude/Anthropic-Posts raus aus Cyber, AI-Act-Posts in Regulation. Dritte Iteration: noch tieferes Sortieren in Sub-Kategorien. Vierte Iteration: Tag-Filter auf die ganze Sache.

Niemand hätte das im ersten Schritt sauber hinbekommen — auch nicht eine Agentur. Aber die Iterationen waren nicht teuer, weil sie Claude nicht ermüden. Vier Mal in einer Stunde nachjustieren, jedes Mal mit präziserer Anweisung — das ist keine Mehrarbeit, das ist die natürliche Form der Zusammenarbeit. Die Ergebnisse, die so entstehen, übertreffen das, was eine Sitzung lineare Arbeit liefern würde, jedes Mal.

Drei konkrete Empfehlungen, wenn du ähnliche Arbeit angehst

Erstens: Plane die Übergabe-Punkte zwischen den drei Werkzeugen. Wann verlässt eine Frage Claude AI und geht an Claude Code? Wann verlässt der Code Claude Code und wird durch Claude Cowork in die Site geschrieben? Wer das vor der Arbeit nicht klärt, wechselt mitten in der Session zwischen Apps und verliert den Faden. Eine kleine Notiz vor dem Start — was geht wohin — spart Stunden.

Zweitens: Investiere in die Verbindungs-Schicht. Application Password im WordPress, API-Token in Coolify, OAuth in Microsoft Graph, MCP-Server für eigene interne Tools. Jede dieser Verbindungen ist eine Schlüssel-Übergabe — und sobald Claude Cowork die Tür hat, vervielfacht sich, was in einer Session erreichbar ist. Heute war die kritische Verbindung das Application Password meines WordPress, plus das selbst gebaute Bridge-Plugin, das Feedzy von aussen vollständig steuerbar machte. Ohne diese Verbindungs-Schicht hätte ich vierundzwanzig Imports manuell editieren müssen.

Drittens: Behalte den redaktionellen Anspruch bei dir. Claude kann Inhalt erzeugen, der wie ein Editorial aussieht. Aber die Frage, ob ein Editorial in deinem Namen die Wahrheit deiner Erfahrung trifft, beantwortet niemand ausser dir. Mein Vorgehen: ich lasse den Erstentwurf von Claude schreiben, gehe ihn dann selbst durch und schärfe an mindestens fünf Stellen — Tonalität, Beispiele, persönliche Beobachtungen. Das Ergebnis trägt am Ende meinen Namen, weil es meine Stimme ist, auch wenn der erste Wurf nicht meine Tipparbeit war. Diese Disziplin macht den Unterschied zwischen „KI-generiertem Inhalt“ und „redaktionell verantwortetem Inhalt, der mit KI entstanden ist“.

Was am Ende bleibt

Eine Website ist nie fertig. Ein Portal ist nie fertig. Aber ein Portal kann an einem Tag den Sprung von „im Aufbau“ zu „erkennbar professionell“ machen — wenn die richtigen Werkzeuge zusammenspielen und die Person dahinter die richtigen Fragen stellt. Dieser Sprung passiert nicht durch ein neues Theme oder eine bessere Bibliothek. Er passiert durch die Choreografie zwischen Mensch und KI.

Was vor zwei Jahren ein Team-Projekt war, ist heute eine Session. Was vor einem Jahr eine Wochenarbeit war, ist heute eine Stunde mit klarer Iteration. Wer das einmal selbst gesehen hat, denkt nicht mehr darüber nach, ob Claude ein Werkzeug ist. Er denkt darüber nach, welche Aufgabe als nächstes ansteht.

— Dimitri Rupp, Wien, 25. Mai 2026. Geschrieben während und über die Arbeit, von der dieser Text handelt.

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