Auf den Punkt: Der Untergrunddienst "Poison Claude" verkauft vergünstigten Zugang zu Anthropic-Modellen, wobei der Betreiber vollständige Einsicht in alle Kunden-Prompts hat und damit ein erhebliches Datenexpositionsrisiko für Unternehmen entsteht.
Sicherheitsforscher haben mehr als ein halbes Dutzend Untergrunddienste identifiziert, die illegalen Zugang zu KI-Modellen anbieten. Einer davon, "Poison Claude", verspricht vergünstigten Zugriff auf Anthropic-Modelle wie Opus 4.8, Opus 4.7, Opus 4.6 und Sonnet 4.6 – während der Betreiber offenbar jeden eingehenden Prompt seiner Kunden mitlesen kann.
Cybersecurity-Forscher haben auf Untergrundforen und in Messaging-Plattformen mehr als sechs Werbeanzeigen für illegalen Zugang zu KI-Modellen entdeckt. Der Dienst „Poison Claude“ bewirbt sich als Zugangsvermittler zu Anthropics Sprachmodellen und nennt konkret die Versionen Opus 4.8, Opus 4.7, Opus 4.6 sowie Sonnet 4.6. Der Verkauf erfolgt zu Preisen deutlich unterhalb der offiziellen API- oder Abo-Kosten von Anthropic.
Das grundlegende technische Prinzip solcher Dienste beruht in der Regel darauf, dass Betreiber legitim erworbene oder gestohlene API-Schlüssel bzw. Account-Zugänge weiterverkaufen und den Datenverkehr ihrer Kunden über eigene Proxy-Infrastruktur leiten. Dadurch erhält der Betreiber vollständige Einsicht in sämtliche Prompts und Antworten, die Kunden über den Dienst verarbeiten – inklusive potenziell sensibler Unternehmensdaten, Quellcode, interner Dokumente oder personenbezogener Informationen, die Nutzer in ihre Anfragen einfließen lassen.
Für Unternehmen bedeutet dies ein doppeltes Risiko: Zum einen nutzen Mitarbeitende solche inoffiziellen Zugänge häufig, um Kosten zu sparen oder Nutzungsbeschränkungen offizieller Abonnements zu umgehen, ohne sich der Datenexposition bewusst zu sein. Zum anderen können über solche Kanäle verarbeitete vertrauliche Informationen direkt in die Hände von Cyberkriminellen gelangen, die sie für Erpressung, Weiterverkauf oder gezielte Angriffe nutzen. Da der Datenverkehr über die Infrastruktur des Betreibers läuft, besteht zudem keine Kontrolle darüber, ob und wie lange Prompts und Antworten gespeichert werden.
CISOs sollten die Nutzung nicht autorisierter KI-Zugänge in ihrer Organisation als eigenständige Bedrohungskategorie behandeln und in Richtlinien zur Schatten-IT beziehungsweise Shadow AI explizit adressieren. Dazu gehören technische Kontrollen zur Erkennung ungewöhnlicher API-Nutzungsmuster, die Sensibilisierung von Mitarbeitenden gegenüber vermeintlich günstigen KI-Zugängen aus Untergrundquellen sowie die Durchsetzung ausschließlich offiziell lizenzierter und vertraglich abgesicherter Zugangswege zu LLM-Diensten. Betroffene Unternehmen, die Hinweise auf die Nutzung solcher Dienste in ihrem Netzwerk finden, sollten von einer möglichen Kompromittierung der über diese Kanäle verarbeiteten Daten ausgehen.
Quelle: thehackernews.com · Erschienen 5. August 2026
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