Auf den Punkt: Ransomware-Angriffe gehen laut Riedel-Networks-Report mittlerweile in 63,6 Prozent der Fälle mit gezieltem Datendiebstahl vor der Verschlüsselung einher, was Erpressungsdruck und Third-Party-Risiken für Unternehmen erhöht.
Ein Report von Riedel Networks zeigt anhand von mehr als 180 ausgewerteten Sicherheitsvorfällen aus dem ersten Halbjahr 2026, dass Ransomware-Angriffe inzwischen fast immer mit gezieltem Datendiebstahl einhergehen. Für CISOs bedeutet das: Reine Backup-Strategien reichen zur Risikominderung nicht mehr aus.
Der Anteil von Ransomware an den untersuchten Vorfällen ist im ersten Halbjahr 2026 auf 76,1 Prozent gestiegen, verglichen mit 32,5 Prozent im zweiten Halbjahr 2025. Entscheidender als die reine Häufung ist jedoch die Veränderung im Vorgehen der Angreifer: In 63,6 Prozent der Ransomware-Fälle wurden vor der Verschlüsselung gezielt vertrauliche Daten kopiert, teils im Umfang von mehreren hundert Gigabyte bis hin zu Terabytes. Die Verschlüsselung dient damit zunehmend nur noch als eine von mehreren Druckstufen der Erpressung. Screenshots als Zugriffsnachweis, kurze Zahlungsfristen und Veröffentlichungen auf Leak-Seiten erhöhen den Handlungsdruck auf betroffene Organisationen zusätzlich.
Branchenseitig bleibt die Industrie mit rund 32 Prozent der Fälle am stärksten betroffen, leicht rückläufig gegenüber 34,6 Prozent im Vorhalbjahr. Gesundheits- und Sozialwesen folgen mit rund elf Prozent, Logistik und Transport mit rund neun Prozent. Betroffen sind damit vor allem Branchen mit komplexen Lieferketten, kritischen Betriebsabläufen und sensiblen Datenbeständen. Der Report weist zudem auf eine wachsende Abhängigkeit von externen IT- und Geschäftspartnern hin: IT-Dienstleister, Softwareanbieter, Logistikunternehmen, Abrechnungsstellen oder Facility-Dienstleister fungieren zunehmend als Einfallstor, über das sich Auswirkungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette ausbreiten können.
Für die Angriffsvorbereitung setzt die Kriminalität nach Einschätzung von Riedel Networks verstärkt auf KI-gestütztes Phishing und Social Engineering, die individueller und schneller auf Zielgruppen zugeschnitten werden können. Rund 91 Prozent der erfassten Vorfälle werden finanziell motivierten Akteuren zugerechnet, gegenüber 86,95 Prozent im zweiten Halbjahr 2025. Staatlich unterstützte Akteure sind zwar seltener vertreten, gewinnen laut Report aber an Sichtbarkeit und nutzen dabei zunehmend alltägliche Kommunikationsplattformen für Spionageaktivitäten.
Für CISOs folgt daraus die Notwendigkeit, Third-Party- und Supply-Chain-Risiken systematisch in das eigene Resilienz-Konzept einzubeziehen, da Angriffe nicht mehr zwingend das Zielunternehmen direkt treffen müssen. Zudem sollten Incident-Response-Pläne die Kombination aus Verschlüsselung und Datenexfiltration explizit abbilden, etwa durch Monitoring auf ungewöhnliche Datenabflüsse in großem Umfang und vorbereitete Kommunikationsstrategien für den Fall von Leak-Site-Veröffentlichungen.
Quelle: www.it-daily.net · Erschienen 17. August 2026
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