Auf den Punkt: Brüssel plant mit Imec und SPRIND den Aufbau europäischer KI-Chipfertigung als Teil der Chips Act 2.0, um die Abhängigkeit von US- und asiatischen Herstellern zu senken.
Die Europäische Kommission verhandelt mit dem belgischen Forschungszentrum Imec und der deutschen Innovationsagentur SPRIND über den Aufbau eigener Halbleiterfertigung für KI-Chips. Das Vorhaben soll Teil der Chips Act 2.0 werden, die nächste Woche vorgestellt wird.
Die Europäische Kommission arbeitet an frühen Planungen für eine hochmoderne Halbleiterfabrik, um die Abhängigkeit des Kontinents von US-amerikanischen und asiatischen Herstellern zu verringern. Beteiligt an den Gesprächen sind das belgische R&D-Zentrum Imec und die deutsche Innovationsagentur SPRIND. Das Projekt trägt das interne Arbeitstitel „EU-made Advanced Semiconductor Manufacturing“.
Hintergrund ist das Unbehagen in Brüssel über Europas Rückstand bei der Kerntechnologie der KI-Wirtschaft. Die Europäische Union ist auf Chips angewiesen, die in den USA oder in Taiwan und Südkorea hergestellt werden. Eine eigene lokale Fertigungskapazität würde Europa helfen, mehr der KI-Lieferkette zu kontrollieren, wirtschaftlichen Mehrwert abzuschöpfen und sich gegen geopolitische Schocks zu wappnen. Imec erhielt 2023 bereits 700 Millionen Euro EU-Mittel zur Entwicklung von Zwei-Nanometer-Chips. Ein diskutiertes Szenario sieht die Errichtung einer Ein-Nanometer-Fabrik in Deutschland bis 2035 vor.
Die Kommission stellt das Vorhaben unter das Dach der Chips Act 2.0, die nächste Woche veröffentlicht wird. Der überarbeitete Plan soll private Investoren ermutigen, großangelegte „strategische Projekte“ für „souveräne und fortgeschrittene Fertigung, Design fortgeschrittener Chips und Lieferkettenresilienz“ zu finanzieren. Die geplante Fabrik ist nicht in der jetzt verfügbaren Legislativentwurf enthalten, könnte aber später als strategisches Projekt vorgeschlagen werden.
Die Diskussionen befinden sich noch in einem frühen Stadium. Keine Entscheidung ist gefallen über die Unterstützung, den Standort oder die Finanzierung. Europas Vorhaben steht unter großem Druck: Ein vorheriger Versuch scheiterte, als Intels geplante Megafabrik in Deutschland 2024 infolge von Finanzproblemen des US-Konzerns kollabierte. TSMC, Samsung und Intel dominieren derzeit die globale Chipfertigung. ASML-Chef Christophe Fouquet warnte zuletzt öffentlich vor solch einem Projekt.
Quelle: www.politico.eu · Erschienen 28. Mai 2026
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