Zum Inhalt springen

Europäische Kommission verhängt 200 Mio. Euro Geldbuße gegen Temu wegen Digital Services Act

Share on:

Auf den Punkt: Temu muss 200 Millionen Euro zahlen, weil die Risikoanalyse des Unternehmens nicht den DSA-Standards entspricht und illegale Produkte wie unsichere Ladegeräte und Spielzeug auf der Plattform unkontrolliert verbreitet wurden.

Die Europäische Kommission hat Temu mit 200 Millionen Euro Geldbuße belegt, weil das Unternehmen seine Pflichten zur Risikoanalyse unter dem Digital Services Act (DSA) nicht erfüllt hat. Temu habe es unterlassen, illegale Produkte auf seiner Plattform systematisch zu identifizieren und deren Auswirkungen auf EU-Verbraucher angemessen zu bewerten.

Der Europäischen Kommission zufolge hat Temu seine Risikobewertung 2024 nicht nach den Vorgaben des Digital Services Act durchgeführt. Die Risikoanalyse basierte auf generischen Informationen zum eCommerce-Sektor insgesamt, statt auf spezifischen Daten über Temus eigene Plattform sowie öffentlich verfügbaren Berichten und Tests.

Bei Mystery-Shopping-Untersuchungen im Rahmen der Kommissions-Ermittlungen zeigte sich ein erhebliches Ausmaß unsicherer Produkte: Ein sehr hoher Prozentsatz der getesteten Ladegeräte fiel bei grundlegenden Sicherheitstests durch; ein hoher Anteil der Spielzeuge wies mittlere bis hohe Sicherheitsrisiken auf, etwa durch Chemikalien, die gesetzliche Sicherheitsgrenzen überschreiten, oder durch Erstickungsgefahren durch lösbare Teile. Insgesamt ist davon auszugehen, dass EU-Verbraucher auf Temu mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auf illegale Artikel treffen.

Temu habe zudem nicht angemessen bewertet, wie die Gestaltung seiner Plattform – insbesondere seine Empfehlungssysteme und Produktbewerbungsprogramme durch verbundene Influencer – die Verbreitung illegaler Produkte verstärkt. Dies ist für Chief Data und Compliance Officer relevant, da es zeigt, dass Plattformbetreiber bei der Risikoanalyse nicht nur starre Checklisten anwenden können, sondern die systemischen Verstärkungsmechanismen ihrer Service-Architektur untersuchen müssen.

Die Geldbuße unterstreicht, dass die Kommission bei der Durchsetzung des DSA gegenüber großen Online-Plattformen verstärkt tätig wird. Für Unternehmen der datengetriebenen Wirtschaft bedeutet dies: Risikobewertungen müssen on Basis von Daten zur eigenen Plattformnutzung und realen Schadensfällen erfolgen, nicht auf Basis von Branchenstudien. Algorithmen und Anreizmechanismen unterliegen dabei der gleichen Aufsicht wie die Moderationspraxis.


Quelle: digital-strategy.ec.europa.eu · Erschienen 28. Mai 2026
Lumi AI News — KI-assistierte Kuratierung gemaess Art. 50 EU AI Act. Paraphrase und Klassifikation durch Lumi News Pipeline v1.2.1.

Share on: