Auf den Punkt: KI-gestützte Account-Recovery-Systeme sind durch Social-Engineering-Techniken angreifbar, wenn nicht durch Multi-Faktor-Authentifizierung geschützt.
Pro-iranische Hacker demonstrierten eine Sicherheitslücke in Metas KI-gestütztem Account-Recovery-System, mit der sie Passwörter zurücksetzen und Instagram-Accounts übernehmen konnten. Meta bestätigte die Behebung der Schwachstelle nach einer Notfall-Aktualisierung.
Am 31. Mai begannen Telegram-Kanäle, eine Exploitations-Anleitung zu verbreiten, die zeigte, wie Metas KI-Support-Bot dazu gebracht werden konnte, einer neuen E-Mail-Adresse Zugang zu einem bestehenden Account zu gewähren. Ein von pro-iranischen Hackern veröffentlichtes Video dokumentierte den Ablauf: VPN-Nutzung mit einer IP aus oder in der Nähe des Zielorts, Anforderung eines Passwort-Zurücksetzen-Prozesses, Kontakt mit dem KI-Support-Assistenten, Bitte zur Verknüpfung des Accounts mit einer neuen E-Mail-Adresse. Der Bot sendete daraufhin einen Einmal-Code an diese Adresse, über den das Passwort zurückgesetzt werden konnte. Die Instagram-Accounts der Obama White House und des Chief Master Sergeant der U.S. Space Force wurden Anfang Juni kurzzeitig mit pro-iranischen Inhalten beschädigt. Die Hacker behaupteten, über diesen Exploit auch hochwertige, kurze Instagram-Handle mit angeblichem Resale-Wert von über 500.000 Dollar übernommen zu haben.
Die Schwachstelle liegt in der Architektur von Metas Kundensupport begründet. Instagram verfügt über notorisch schlechte menschliche Support-Infrastruktur; gesperrte Accounts, insbesondere hochwertige, erfordern oft wochenlange Rücksprachen über automatisierte Ticketing-Systeme. Meta setzte einen KI-gestützten Chatbot ein, um häufige Recovery-Workflows zu handhaben: Verlinken fehlender E-Mail-Adressen, Passwort-Zurücksetzen, Verifizierung des Account-Eigentumsrechts. Meta push eine Notfall-Aktualisierung am Wochenende durch und betonte, dass keine Backend-Datenbanken kompromittiert wurden.
Ian Goldin, Threat Researcher bei Lumens Black Lotus Labs, warnt vor neuen Angriffsszenarien: KI-Chatbots in sensiblen Account-Recovery-Prozessen schaffen eine bislang unerprobte Angriffsfläche. Ebenso wie menschliche Support-Mitarbeiter durch Social Engineering manipuliert werden können, sind KI-Bots hilfsbereite und für Manipulation anfällige Systeme. Die Hacker selbst berichteten, dass der Exploit bei Accounts mit aktivierter Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA) gescheitert sei—auch bei der schwächsten von Instagram angebotenen Form wie SMS-basiertem One-Time-Code.
Quelle: krebsonsecurity.com · Erschienen 1. Juni 2026
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