Auf den Punkt: Romance Scams und KI-gestützte emotionale Manipulation erfordern ein Umdenken in der Sicherheitsarchitektur: Technischer Schutz ohne psychologische Früherkennung genügt nicht mehr.
Social Engineering ist zum dominierenden Angriffsvektor geworden: Laut Norton-Telemetrie machten Social-Engineering-Inhalte 2025 mehr als 90 Prozent aller blockierten Angriffe aus. Generative KI ermöglicht es Cyberkriminellen, täuschend echte gefälschte Identitäten zu skalieren und emotionale Manipulationen zu automatisieren – ein Problem, das klassische Authentifizierungsmechanismen nicht lösen können.
Die Bedrohungslage hat sich fundamental verschoben: Angriffe zielen nicht mehr primär auf technische Schwächen ab, sondern auf psychologische Manipulationen. Alexander Vukcevic, Director CyberSafety Technology bei Gen, konstatiert, dass herkömmliche Sicherheitsmaßnahmen wie Zwei-Faktor-Authentifizierung oder Passwortmanager zwar notwendig, aber unzureichend sind. Sobald eine Vertrauensbasis aufgebaut ist, führen Opfer den finalen Schritt selbst aus – sie klicken auf Links, akzeptieren Gerätekopplungen, scannen QR-Codes oder teilen Verifizierungscodes.
Generative KI hat die Professionalisierung und Skalierbarkeit von Romance-Betrugsmaschen drastisch erhöht. Während frühere Versuche oft an schlechter Sprachqualität oder mangelhafter Skalierbarkeit scheiterten, können Angreifer nun flüssige, regional angepasste Dialoge, täuschend echte Profilbilder, synthetische Audio- und Videomaterialien in Serie produzieren. Kleine Cyberkriminellen-Netzwerke automatisieren damit die Profilerstellung und verfassen emotional maßgeschneiderte Nachrichten in fehlerfreiem Deutsch. Für den deutschen Markt zeigt Norton, dass 59 Prozent der aktiven Dating-App-Nutzer mindestens einmal pro Woche auf verdächtige Profile stoßen.
Für CISOs und Security-Teams bedeutet dies eine grundsätzliche Umorienterung der Schutzmodelle: Cybersecurity darf nicht mehr auf der rein technischen Ebene enden. Notwendig ist ein erweitertes Modell, das Manipulationen früh erkennt, emotional gesteuerte Entscheidungsprozesse versteht und glaubwürdige Warnhinweise generiert, bevor psychologischer Druck zu finanziellem oder persönlichem Schaden führt. Die schädlichsten Betrugsmaschen spielen sich zunehmend im Browser, in sozialen Medien, Messenger-Apps und Bezahlsystemen ab – also dort, wo Nutzer täglich ohnehin unterwegs sind.
Quelle: www.it-daily.net · Erschienen 3. Juni 2026
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