Auf den Punkt: Die EU will Haushalte über intelligente Zähler dazu bewegen, Strom in Schwachlastzeiten zu nutzen, um Kapazität für stromhungrige KI-Infrastruktur freizusetzen.
Die EU-Kommission kündigt eine neue Verordnung an, um intelligente Stromzähler flächendeckend auszurollen. Hintergrund ist die explodierende Stromnachfrage durch KI-Rechenzentren, die bis 2028 den Verbrauch verdoppeln sollen.
Die Europäische Kommission plant nach eigenen Angaben noch im laufenden Jahr eine Gesetzesinitiative zur beschleunigten Einführung intelligenter Stromzähler. Diese Geräte ermöglichen Verbrauchern, ihren Stromverbrauch flexibel zu steuern und in Zeiten mit niedrigeren Preisen zu verlagern, was die Stromrechnung senken soll.
Datenzentren benötigen derzeit 2,5 Prozent des EU-Stromverbrauchs. Laut EU-Kommission wird sich die Nachfrage in den nächsten vier Jahren mehr als verdoppeln. Das Stromnetz steht unter zusätzlichem Druck durch die beschleunigte Elektrifizierung von Verkehr und Wärmewirtschaft sowie durch Wasserstoff-Elektrolyseure und elektrische Schmelzöfen in der Industrie. Intelligente Zähler sollen durch dynamische Lastverteilung eine bessere Auslastung bestehender Netze ermöglichen und den Anfall von erneuerbaren Energien reduzieren.
Das Maßnahmenpaket ist Teil der „Strategischen Roadmap für Digitalisierung und KI im Energiesektor“, die die Kommission im Rahmen des EU-Technologiesouveränitätspakets veröffentlichte. Neben der Smart-Meter-Gesetzgebung umfasst die Roadmap sieben Flaggschiff-Maßnahmen: eine freiwillige Vereinbarung zwischen Rechenzentren, Energieversorgern und Behörden zur nachhaltigen Integration von Rechenzentren, ein neues EU-Rahmenwerk für den grenzüberschreitenden Energiedatenaustausch sowie eine jährliche Fortschrittsüberwachung. Das Forschungsprogramm Horizont Europa stellt 75 Millionen Euro für die Entwicklung energieeffizienter KI-Strategien bereit.
Die Kommission zog sich zugleich von früheren Plänen zurück: Verbindliche Energieeffizienzstandards für Rechenzentren bis 2030 werden nicht verfolgt. Ein Kennzeichnungssystem für die Nachhaltigkeit von Rechenzentren wird später im Sommer erwartet, statt wie geplant bereits jetzt verfügbar zu sein.
Quelle: www.politico.eu · Erschienen 3. Juni 2026
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