Auf den Punkt: Europa vermeidet offene Konfrontation über die US-Blockade von Anthropics neuen Modellen und versucht stattdessen, KI-Sicherheit als Kooperationsfeld zu positionieren.
Die EU will beim G7-Gipfel in Évian-les-Bains keine direkte Konfrontation mit Trump über die US-Exportkontrolle gegen Anthropic führen. Stattdessen setzen europäische Diplomaten auf Zusammenarbeit bei KI-Sicherheit und den Wiederaufbau von Vertrauen.
Am Mittwoch treffen sich europäische Führungskräfte beim G7-Gipfel mit US-Präsident Donald Trump und Anthropic-CEO Dario Amodei — nur wenige Tage nachdem die USA den Zugang zu Anthropics neuesten KI-Modellen eingestellt haben. Die USA hatten Anthropic dazu verpflichtet, seinen neuesten Modellen Fable 5 und Mythos 5 für nicht-US-amerikanische Nutzer zu sperren. Dabei handelt es sich um stark kontrollierte Modelle mit erweiterten Cybersecurity-Fähigkeiten.
Trotz dieser feindseligen Maßnahme signalisieren europäische Diplomaten keine Bereitschaft zur Konfrontation. Thomas Regnier, Sprecher der Europäischen Kommission, erklärte vor dem Treffen: „Wir sind bereit, diese Sicherheitsrisiken gemeinsam mit unseren gleichgesinnten Partnern zu angehen.“ Ein europäischer Diplomat sprach von der Notwendigkeit, „Vertrauen und einen Vertrauenskreis wiederherzustellen“. Ein offizielles Gespräch zwischen Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Trump am Dienstag erwähnte das Thema nicht.
Das offizielle Agenda des Mittagessens mit KI-CEO wie OpenAI-Chef Sam Altman, DeepMind-Leiter Demis Hassabis und Mistral-Gründer Arthur Mensch konzentriert sich auf Wirtschaftswachstum und gesellschaftliche Resilienz. Ein Branchenvertreter räumte aber ein, dass der Anthropic-Streit die „Elefant im Raum“ sein werde. Anthropic bestätigte die Teilnahme Amodeis und kündigte ein Treffen mit EU-Cybersecurity-Behörden am Donnerstag in Brüssel an — beschrieben als „fortlaufende Zusammenarbeit zu den Implikationen von Frontier AI für Cybersecurity“.
Die EU-Technikchefin Henna Virkkunen mahnte im Europäischen Parlament an, dass „Maßnahmen in diesem Zusammenhang nicht diskriminierend gegen Partner sein sollten“. Brüssel navigiert das Thema vorsichtig: Es gibt keine formale Mitteilung aus Washington zu den Exportkontrollen, nur die Erklärung, die Anthropic selbst abgab. Unter dem EU-Gesetz über künstliche Intelligenz müssen Anbieter von Frontier-AI-Modellen bereits strenge Auflagen zur Risikoprüfung erfüllen.
Quelle: www.politico.eu · Erschienen 16. Juni 2026
Lumi AI News — KI-assistierte Kuratierung gemaess Art. 50 EU AI Act. Paraphrase und Klassifikation durch Lumi News Pipeline v1.7.1.