Auf den Punkt: Laut einer repräsentativen bidt-Umfrage befürworten 66 Prozent der Deutschen ein Social-Media-Verbot für unter 14-Jährige, doch Forschende auf der re:publica warnen vor Wirksamkeitsproblemen und plädieren stattdessen für Plattformregulierung statt pauschaler Verbote.
Eine repräsentative bidt-Studie zeigt, dass 66 Prozent der Bevölkerung ein Social-Media-Verbot für Kinder unter 14 Jahren befürworten. Auf der re:publica warnten Forschende jedoch vor vorschnellen Verbotsmaßnahmen und zweifelten an deren Umsetzbarkeit.
Das Bayerische Forschungsinstitut für Digitale Transformation (bidt) hat auf der Medienkonferenz re:publica in Berlin eine repräsentative Umfrage vorgestellt, wonach 66 Prozent der Menschen in Deutschland ein Verbot sozialer Medien für Kinder unter 14 Jahren befürworten. Für die Studie befragte Statista+ Research im Auftrag des bidt vom 15. bis 29. April 2026 insgesamt 2.500 Personen ab 16 Jahren online; die Ergebnisse sind nach Geschlecht, Alter und Bildung repräsentativ für die Bundesrepublik. Die Zustimmung sinkt jedoch deutlich mit steigender Altersgrenze: Bei einem Verbot für unter 18-Jährige kippt die Mehrheitsmeinung, hier überwiegen die Gegner eines solchen Verbots.
Ausgangspunkt der Debatte ist Australien, das im Dezember 2025 ein Social-Media-Verbot für Kinder unter 16 Jahren in Kraft gesetzt hat. Seither werden auch in Deutschland und auf EU-Ebene ähnliche Regulierungsschritte diskutiert. Trotz der breiten öffentlichen Zustimmung zeigt die bidt-Umfrage erhebliche Zweifel an der praktischen Wirksamkeit: 59 Prozent der Befragten glauben nicht, dass ein gesetzliches Verbot die Nutzung durch Kinder tatsächlich verhindern kann. Selbst unter den Befürwortern eines Verbots sind 55 Prozent skeptisch, ob es seine Wirkung entfalten würde.
Auf der re:publica widersprachen Forschende des bidt, des Center for Advanced Internet Studies (CAIS) und des Weizenbaum-Instituts der politischen Argumentation. Josephine B. Schmitt, wissenschaftliche Koordinatorin am CAIS, kritisierte, pauschale Verbote ersetzten oft die Debatte über wirksame Plattformregulierung und verschöben die Verantwortung auf junge Menschen statt auf die Plattformen selbst. Soziale Medien seien für Jugendliche nicht nur Risikoräume, sondern auch Orte für Information, Austausch und gesellschaftliche Teilhabe – Verbote würden Probleme eher in weniger sichtbare Räume verlagern als lösen.
Der Psychologe und Wirtschaftsinformatiker Hannes-Vincent Krause warnte vor „blindem Aktionismus“ in einem angstgetriebenen Diskurs und bezeichnete ein pauschales Verbot als wissenschaftlich weder notwendig noch nachweislich wirksam. Als Alternative fordern die Forschenden eine klare Regulierung problematischer Inhalte durch Provider selbst sowie eine gezielte Vermittlung von Medienkompetenz bei Kindern und Jugendlichen. Für Unternehmen, die Plattformen betreiben oder Jugendschutzmaßnahmen umsetzen, deutet sich damit an, dass regulatorischer Druck eher auf Content-Moderation und technische Schutzmechanismen als auf pauschale Altersverbote zielen könnte.
Quelle: www.heise.de · Erschienen 18. Mai 2026
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