Auf den Punkt: Die Ransomware-Gruppe Rhysida fordert von der Stadt Stuttgart 5 Bitcoin (rund 333.000 Euro) für angeblich gestohlene Dokumente, während die Stadt nach eigenen Angaben bislang keine bestätigten Hinweise auf einen Cybervorfall hat.
Die Ransomware-Gruppe Rhysida gibt an, aus den IT-Systemen der Landeshauptstadt Stuttgart sensible Dokumente kopiert zu haben, und fordert Lösegeld. Die Stadt prüft die Vorwürfe derzeit, bislang gibt es nach eigenen Angaben keine bestätigten Hinweise auf einen Cybervorfall.
Auf ihrem Darknet-Auftritt lässt Rhysida einen siebentägigen Countdown laufen, innerhalb dessen angeblich „exklusive, einzigartige und beeindruckende Daten“ der Stadt Stuttgart zum Verkauf stehen. Der geforderte Preis liegt bei 5 Bitcoin, was beim aktuellen Kurs rund 333.000 Euro entspricht. Die Gruppe verspricht, die Daten nur einmal zu verkaufen und dem Käufer die alleinige Verfügungsgewalt darüber zu geben. Auf der zugehörigen Detailseite sind lediglich wenige, stark herunterskalierte Aufnahmen von gescannten und fotografierten Dokumenten, Rechnungen und Faxen zu sehen, aus denen sich Umfang und Brisanz der tatsächlich erbeuteten Daten nicht verlässlich ableiten lassen.
Ein Sprecher der Stadt Stuttgart äußerte sich auf Anfrage zurückhaltend: Die veröffentlichten Hinweise würden derzeit gemeinsam mit den zuständigen Stellen geprüft, nach aktuellem Stand lägen der Landeshauptstadt jedoch keine Hinweise auf einen Cybervorfall vor. Weitere Angaben seien mit Blick auf laufende Prüfungen derzeit nicht möglich. Die Webseite der Stadt ist weiterhin problemlos erreichbar, auch die Kommunikationswege scheinen intakt zu sein. Anders als bei früheren Ransomware-Angriffen deutet bislang nichts auf eine Verschlüsselung von Daten hin.
Für Sicherheitsverantwortliche in Kommunen und öffentlichen Verwaltungen liefert der Fall einen weiteren Beleg dafür, dass Double-Extortion-Taktiken – Datendiebstahl mit Veröffentlichungsdrohung statt oder zusätzlich zur Verschlüsselung – inzwischen zum Standardrepertoire solcher Gruppen gehören. Die Drohkulisse allein, auch ohne verifizierte Datenmenge, erzeugt bereits Handlungsdruck und Reputationsrisiko, unabhängig davon, ob die Behauptungen sich am Ende als vollständig zutreffend erweisen.
Rhysida ist seit mehreren Jahren aktiv und verantwortlich für den Angriff auf die British Library im Jahr 2023, der zu einem wochenlangen Systemausfall führte. Bei diesem Angriff hatte die Gruppe Implementierungsfehler in ihrer Verschlüsselung begangen, die südkoreanischen IT-Forschern die Entwicklung eines kostenlosen Entschlüsselungstools ermöglichten. Im vergangenen Jahr griff Rhysida zudem die deutsche Welthungerhilfe an und entwendete dort ebenfalls Daten, damals mit einer Forderung von 20 Bitcoin – dem Vierfachen der jetzt von Stuttgart geforderten Summe.
Quelle: www.heise.de · Erschienen 21. Mai 2026
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