Auf den Punkt: Ein Ransomware-Angriff auf den Abrechnungsdienstleister Unimed hat bei mehreren deutschen Universitätskliniken zum Abfluss von Patientendaten zehntausender Privatpatienten geführt, wobei die Kliniksysteme selbst nicht betroffen waren.
Ein Ransomware-Angriff auf den saarländischen Abrechnungsdienstleister Unimed hat bei zahlreichen deutschen Kliniken zum Abfluss von Patientendaten geführt. Betroffen sind unter anderem Universitätskliniken in Freiburg, Köln, Düsseldorf und Mainz.
Unimed betreut nach eigenen Angaben 95 Prozent aller deutschen Universitätskliniken sowie 51 Prozent aller Kliniken mit mehr als 600 Betten. Der Angriff ereignete sich laut Unternehmen bereits Mitte April 2026 und wurde dem Landeskriminalamt Saarland gemeldet. Die Angreifer wollten demnach die Systeme verschlüsseln, was verhindert werden konnte. Vor der Abwehr seien jedoch aus einem „begrenzten Bereich“ Daten abgeflossen, darunter auch Kommunikation zu Abrechnungswidersprüchen. Zum Angriffsvektor und zu weiteren betroffenen Einrichtungen machte Unimed keine Angaben und verwies auf Verschwiegenheitspflichten gegenüber seinen Kunden.
Mehrere Kliniken haben inzwischen eigene Zahlen veröffentlicht. Am Universitätsklinikum Freiburg wurden Stammdaten von rund 54.000 Patienten entwendet, darunter Namen, Adressen und Geburtsdaten; in rund 900 Fällen sind zusätzlich Rechnungsdaten betroffen, aus denen sich Diagnosen und Behandlungsarten ableiten lassen. Die Uniklinik Köln meldet rund 30.000 betroffene Datensätze, darunter 843 Fälle mit Gesundheitsdaten und fünf Fälle mit Finanzdaten wie IBAN. Das Universitätsklinikum Düsseldorf spricht von mehr als 3.000 Fällen mit allgemeinen Patientendaten sowie 162 Fällen mit möglichen Gesundheitsdaten. Die Universitätsmedizin Mainz nennt bis zu 2.764 betroffene Privatpatienten und Selbstzahler. Weitere Meldungen kommen aus Homburg (1.266 Patienten), Ulm (rund 1.600 Patienten, davon etwa 300 mit möglichen Diagnose- und Behandlungsdaten) und Mannheim (rund 3.000 Betroffene, ein Fall mit kompromittierten Finanzdaten). Heidelberg und Tübingen bestätigten Vorfälle, ohne bislang detaillierte Zahlen zu nennen.
Für Sicherheitsverantwortliche in Kliniken zeigt der Fall erneut die Risiken zentralisierter Dienstleisterstrukturen im Gesundheitswesen: Ein einzelner Anbieter mit hoher Marktdurchdringung wird zum Single Point of Failure für die Datensicherheit einer ganzen Branche. Betroffene Kliniken haben die Datenübertragung an Unimed gestoppt, Datenschutzbehörden sowie das BSI informiert und kündigen schriftliche Benachrichtigungen an Betroffene sowie die Prüfung rechtlicher Schritte an. Unimed erklärte, die Systeme seien nach forensischer Untersuchung durch externe Dienstleister wieder vollständig arbeitsfähig; Hinweise auf noch aktive Angreifer in der Infrastruktur gebe es nicht.
Der Vorfall reiht sich in eine Serie von Angriffen auf Abrechnungsdienstleister im Gesundheitssektor ein: Erst wenige Tage zuvor war ein Ransomware-Angriff auf die Arbeitsgemeinschaft Wirtschaftlichkeitsprüfung Niedersachsen (Arwini e. V.) bekannt geworden, bei dem ebenfalls Gesundheits- und Abrechnungsdaten von gesetzlich Versicherten abflossen. Praktiker sollten die Absicherung und Auditierung von Drittanbietern mit Zugriff auf sensible Patientendaten als eigenständigen Risikofaktor in ihre Sicherheitsstrategie einbeziehen.
Quelle: www.heise.de · Erschienen 22. Mai 2026
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