Auf den Punkt: Technologiekonzerne führen eine gezielte Lobbyingkampagne im Vatikan, um die Haltung der Kirche zur künstlichen Intelligenz zu beeinflussen. Das erste Rundschreiben von Papst Leo XIV. zu diesem Thema wird voraussichtlich bahnbrechende Auswirkungen auf die globale KI-Regulierung haben.
Führungskräfte von Meta, Google und Amazon sind nach Rom gereist, um mit Vatikanbeamten über künstliche Intelligenz zu diskutieren. Diese Lobbying-Kampagne findet vor der Veröffentlichung des ersten Rundschreibens von Papst Leo XIV. statt, das die Haltung der katholischen Kirche zu KI darstellen wird.
An einem sonnigen Frühlingstag führte Pater Eric Salobir eine Gruppe über den Petersplatz in Rom, um Papst Leo XIV. zu treffen. Im Gepäck hatten die Führungskräfte von Meta, Google und Amazon ein drängendes Anliegen: den Schutz von Kindern im Zeitalter der künstlichen Intelligenz. Das Treffen mit dem Papst war kurz, doch die anschließende Veranstaltung in der Französischen Botschaft beim Heiligen Stuhl zog sich über Stunden. Dort saß Paolo Ruffini, der Leiter der Vatikan-Kommunikation, den Tech-Führungskräften gegenüber und diskutierte eine zentrale Frage von Leos neuer Amtszeit: Wie sollte eine der ältesten moralischen Autoritäten der Welt die revolutionäre Technologie beurteilen, die das Silicon Valley fieberhaft entwickelt?
Das Treffen vom 29. April ist Teil einer breiter angelegten, diskret geführten Lobbyingkampagne der Technologiebranche im Vorfeld von Leos erstem Rundschreiben. Ein offizielles Vatikan-Dokument, das am Montag veröffentlicht wird, soll die Position der Katholischen Kirche zur künstlichen Intelligenz darstellen. Das Silicon Valley versucht seit Jahren, Regierungen und die Öffentlichkeit davon zu überzeugen, dass KI verantwortungsvoll entwickelt werden kann. In den vergangenen Monaten haben Vertreter der Technologieindustrie Rom besucht, um sich mit Vatikan-Beamten auszutauschen. Durch Botschaftsveranstaltungen, intime Treffen und über katholische Vermittler mit starken Verbindungen zur Technologiebranche positionieren sie sich als Partner einer ethisch verantwortungsvollen KI-Entwicklung.
Sarah El Haïry, Frankreichs Beauftragte für Kinderrechte und Teilnehmerin des April-Treffens, betonte die außergewöhnliche Bedeutung dieses Rundschreibens. Sie verglich es mit dem Rundschreiben von Papst Leo XIII. aus dem Jahr 1891 zu Arbeitnehmerrechten, das die katholische Soziallehre während der Industriellen Revolution prägte. Die Auswirkungen des päpstlichen Rundschreibens könnten weit über den Vatikan hinaus wirken und einen umfassenden Rahmen für die Verwaltung der KI-Revolution schaffen.