Zum Inhalt springen

Bayern setzt auf Open Source statt Microsoft 365 in der Verwaltung

Share on:

Auf den Punkt: Bayern bricht einen geplanten Millionen-Euro-Vertrag mit Microsoft auf und orientiert sich stattdessen an Open-Source-Lösungen, um Unabhängigkeit von US-Anbietern und bessere Datenkontrolle zu erreichen.

Das Bayerische Digitalministerium hat den geplanten Rahmenvertrag mit Microsoft für die Produktivitätssuite Microsoft 365 offiziell aufgelöst. Die Staatsregierung wird ihre Verwaltungs-IT künftig auf Basis offener Software betreiben statt auf proprietäre US-Lösungen zu setzen.

Der Freistaat Bayern hatte für fünf Jahre einen Rahmenvertrag zur flächendeckenden Einführung von Microsoft 365 in der gesamten Landesverwaltung geplant. Der Umfang des Vertrages lag nach Medienberichten bei knapp einer Milliarde Euro. Das Bayerische Digitalministerium unter Fabian Mehring hat diesen Deal nun endgültig beendet.

Der Entscheidung war ein längerer Ressort-Streit vorausgegangen: Finanzminister Albert Füracker plädierte dafür, bestehende Microsoft-Verträge zu bündeln und dadurch günstigere Konditionen beim Anbieter auszuhandeln. Digitalminister Mehring setzte dagegen einen grundsätzlichen Kurswechsel hin zu offener Software durch. Mehring begründete dies damit, dass Bayern mit freier Software unabhängiger von Preisdiktaten einzelner Anbieter wird, verwaltungseigene Daten besser geschützt sind und der IT-Betrieb auch in Ausnahmesituationen aufrechterhalten bleiben kann.

Bayern steht mit diesem Kurs nicht allein: Schleswig-Holstein nutzt bereits an vier von fünf Behördenarbeitsplätzen Open-Source-Lösungen. Münchens Stadtrat beschloss im Mai 2026, freie Software zum Standard bei Neuanschaffungen zu machen. Auf Bundesebene ist seit März eine Regelung in Kraft, nach der Behördendokumente nur noch in offenen Formaten verbreitet werden dürfen.

Das treibende Motiv ist weniger eine Kostenfrage als vielmehr die Datensicherheit. Der US Cloud Act gestattet amerikanischen Behörden, von US-Unternehmen Zugriff auf Nutzerdaten zu fordern, unabhängig vom Speicherort. Ein zusätzliches Risiko liegt darin, dass Washington technologische Konzerne jederzeit anweisen könnte, ihre Dienste außerhalb der USA abzuschalten — mit der Folge, dass europäische Verwaltungen und Verteidigungsministerien plötzlich ohne funktionsfähige IT dastünden. Studien zeigen, dass ein erheblicher Teil europäischer Verteidigungsbehörden von US-Cloud-Infrastruktur abhängig ist.


Quelle: www.it-daily.net · Erschienen 3. Juni 2026
Lumi AI News — KI-assistierte Kuratierung gemaess Art. 50 EU AI Act. Paraphrase und Klassifikation durch Lumi News Pipeline v1.2.9.

Share on: