Auf den Punkt: Anthropic macht verdeckte Anfrage-Drosselungen in Claude künftig transparent, behält aber die inhaltlichen Beschränkungen bei – auch wegen Konflikten mit dem US-Verteidigungsministerium um nationale Sicherheit.
Anthropic ändert seine Kommunikationspolitik für das Sprachmodell Claude und macht künftig sichtbar, wenn das System Anfragen ablehnt oder auf ein schwächeres Modell zurückfällt. Das Unternehmen reagiert damit auf öffentliche Kritik von KI-Forschern, die die bisherige verdeckte Drosselung bestimmter Anfragen beanstandet hatten.
Anthropic hatte in der Sicherheitsdokumentation zu Claude integriert, dass Anfragen zur Entwicklung eigener KI-Systeme automatisch und unbemerkt an das schwächere Modell Opus 4.8 weitergeleitet wurden. Dies betraf insbesondere Anfragen von KI-Forschern, die das System zur Modellentwicklung nutzen wollten. Forscher wie Jeremy Howard (Fast.ai) kritisierten dieses Vorgehen öffentlich auf X, da die verdeckte Drosselung wissenschaftliche Fortschritte verzögert.
In dieser Woche stellt Anthropic die Sicherheitsmechanismen auf vollständige Transparenz um. Im Web-Interface wird eine Anfrage bei Blockierungen nun sichtlich auf Opus 4.8 herabgestuft. Beim Zugriff über die API erhalten Nutzer eine explizite Fehlermeldung mit konkretem Grund für die Ablehnung. Anthropic bestätigte die bisherige Praxis mit den Worten: „Wir haben den falschen Kompromiss gewählt und entschuldigen uns dafür, dass wir die richtige Balance verfehlt haben.“
Das Unternehmen behält die inhaltlichen Sperrungen allerdings bei. Dies wird zum einen mit den Nutzungsbedingungen begründet, die die Entwicklung von Konkurrenzprodukten untersagen. Zum anderen verweist Anthropic auf Sicherheitsrisiken für die nationale Sicherheit der USA. Ziel sei es, zu verhindern, dass ausländische Akteure die Technologie zur Optimierung eigener strategischer Fähigkeiten nutzen – etwa bei der Chipentwicklung.
Der Konflikt ist Teil einer größeren Auseinandersetzung zwischen Anthropic und dem US-Verteidigungsministerium. Das Pentagon hatte unbeschränkten Zugriff auf Claude-Modelle gefordert, was Anthropic unter Verweis auf Massenüberwachungsrisiken und autonome Waffensysteme ablehnte. Das Verteidigungsministerium stufte Anthropic daraufhin als Lieferkettenrisiko ein, wodurch Rüstungsunternehmen und militärische Dienststellen die Software nicht nutzen dürfen. Eine Beschwerde von Anthropic wurde im Juni 2026 von Kriegsminister Pete Hegseth endgültig abgewiesen; das Verfahren wird nun vor Bundesgericht verhandelt.
Quelle: www.it-daily.net · Erschienen 12. Juni 2026
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