Auf den Punkt: Parameter-to-Prompt-Injection (P2P) wird zur neuen Angriffsfläche, wenn KI-Suchanwendungen URL-Parameter als natürlichsprachliche Anweisungen verarbeiten.
Forscher von Varonis Threat Labs demonstrierten mit SearchLeak, wie URL-Parameter in Microsoft Copilot Enterprise zur Datenexfiltration missbraucht werden können. Microsoft stufte die Schwachstelle als kritisch ein und patched sie serverseitig.
SearchLeak kombiniert drei Schwachstellen in der Copilot-Enterprise-Implementierung, um Mitarbeiter über speziell konstruierte Links zum Klicken zu bewegen. Die Attacke nutzt eine fundamentale Designeigenschaften vieler KI-gestützter Webanwendungen: Sie akzeptieren URL-Parameter wie ?q=[query] nicht nur als einfache Suchbegriffe, sondern als natürlichsprachliche Prompts, die ein großes Sprachmodell direkt ausführt.
Der Angriffsradius ist erheblich. Während Copilot-Personal nur auf beschränkte Daten zugreift, kann Copilot Enterprise alles abrufen, worauf der Benutzer Zugriff hat — E-Mails, Meeting-Einladungen, SharePoint-Dokumente, OneDrive-Dateien und alle anderen indizierten Geschäftsinhalte. Je nach Konfiguration der M365-Umgebung kann die Angriffsfläche noch weiter reichen.
Das entscheidende Sicherheitsproblem liegt in der Verkettung zweier Techniken: Erstens müssen Angreifer das Sprachmodell dazu bringen, sensible Daten zu exfiltrieren — eine Herausforderung, die durch URL-Parameter gelöst wird. Zweitens benötigen sie Mechanismen, um diese Daten aus der Browser-Sitzung herauszuleiten. Varonis-Forscher nutzten dazu HTML-Tags wie <img>-Elemente, die der Browser automatisch an externe Server anfordert. Microsoft hatte zwar eine Gegenmaßnahme implementiert, die Antworten in <code>-Blöcken einschließt — doch diese erwies sich als umgehbar.
Dieses Angriffsmuster ist nicht einmalig. Varonis identifizierte parallel Reprompt, eine ähnliche Schwachstelle in Microsoft Copilot Personal. Auch andere KI-Suchmaschinen sind betroffen: Im Oktober 2024 fanden Forscher von LayerX eine Prompt-Injection in Perplexity’s Comet Browser über denselben ?q=-Parameter; im Juli 2025 deckte Tenable eine Lücke in ChatGPT auf. Mark Vaitsman, Leiter des Security-Research-Teams bei Varonis, bestätigte, dass mehrere andere Sprachmodelle anfällig für ähnliche Techniken sind, obwohl einige restriktivere Schutzmaßnahmen haben.
Quelle: www.csoonline.com · Erschienen 19. Juni 2026
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