Auf den Punkt: Nach Wochenlangen Verhandlungen über Sicherheitsrisiken bei der Vulnerability-Erkennung hebt die US-Regierung ihre Exportsperre für Anthropics Claude-Modelle auf.
Nach wochenlangen Verhandlungen hat die US-Regierung die Exportsperre für Anthropics KI-Modelle Claude 3.5 Sonnet (intern: Mythos 5) und Claude 3.5 Haiku (intern: Fable 5) wieder aufgehoben. Die Modelle waren mehr als zwei Wochen lang komplett blockiert, da die Regierung befürchtete, dass Sicherheitsrisiken bei deren Einsatz zur Vulnerability-Erkennung ausgehebelt werden könnten.
Anthropic kündigte an, noch heute mit der Wiederherstellung des Zugangs zu Claude 3.5 Sonnet und Claude 3.5 Haiku zu beginnen. Die US-Regierung hatte verfügt, dass nur Nutzer mit US-amerikanischer IP-Adresse auf diese Modelle zugreifen dürfen – eine Regelung, die auch für Anthropic-Mitarbeiter galt. Um diese Anforderung zu erfüllen, sperrte Anthropic beide Modelle komplett.
Claude 3.5 Sonnet zeichnet sich durch besondere Fähigkeiten bei der Detektion von Softwareschwachstellen aus, die teilweise über Jahrzehnte unentdeckt blieben. Diese Capabilität nutzen US-Behörden und ausgewählte Unternehmen zur Schließung von Sicherheitslücken. Die zentrale Sorge der Regierung war, dass solche Fähigkeiten als Cyberwaffe missbraucht werden könnten. Claude 3.5 Haiku, veröffentlicht Mitte Juni, basiert auf der gleichen Technologie, hat aber Cybersicherheits- und Biotechnologie-Funktionen blockiert. Claude 3.5 Sonnet bleibt die nicht-öffentliche Vollversion für Behörden und autorisierte Unternehmen.
Handelsminister Howard Lutnick begründete die Aufhebung damit, dass Anthropic sich verpflichtet hat, proaktiv nach Sicherheitsrisiken in den Modellen zu suchen und diese zu schließen. Auslöser der Sperre waren Warnungen, dass die Sicherheitsvorkehrungen zur Beschränkung der Vulnerability-Suche ausgehebelt werden könnten – ein Vorwurf, den Anthropic bestritt.
Die Sperre hatte internationale Auswirkungen: Nach dem US-Vorgehen beschränkte auch OpenAI den Zugang zu seinen neuesten Modellen auf von der US-Regierung abgestimmte Partner. Anthropic selbst geriet in den vergangenen Monaten in Konflikt mit der US-Regierung, weil die Firma sich weigerte, ihre KI-Modelle für autonome Waffensysteme und Massenüberwachung in den USA freizugeben. Das Pentagon stufte Anthropic daraufhin als Lieferketten-Risiko ein, was die Nutzung von Anthropic-Software in Regierungsbehörden einschränkte. Gegen diese Einstufung klagt Anthropic. Die außergewöhnlichen Fähigkeiten von Claude 3.5 Sonnet zur Vulnerability-Erkennung führten letztlich dazu, dass Anthropic für die US-Regierung wieder unverzichtbar wurde.
Quelle: www.it-daily.net · Erschienen 1. Juli 2026
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