Auf den Punkt: Der Digitale Produktpass erfordert nicht nur IT-Integration, sondern eine dauerhaft betriebene Compliance-Infrastruktur, bei der die Wahl zwischen Eigenentwicklung und Dienstleister-Plattform die Kostenlast über Jahre fundamental bestimmt.
Der ab 2027 verpflichtende Digitale Produktpass ist keine einmalige Systemerweiterung, sondern eine dauerhafte Compliance-Infrastruktur, die Datenmanagement, Lieferantenprozesse und behördliches Reporting verbindet. CDOs müssen zwischen Eigenentwicklung und Fremdplattformen abwägen, wobei die Gesamtkostenrechnung über Jahre entscheidend ist.
Der Digitale Produktpass (DPP) führt die EU ab 2027 schrittweise ein. Batterien bilden den Auftakt, weitere Produktgruppen folgen nach der Ökodesign-Verordnung. Der Pass bündelt Produkt- und Materialdaten, CO₂-Fußabdruck, Herkunftsinformationen, Recyclinganteil, Reparaturdaten und Konformitätsnachweise. Er muss maschinenlesbar, eindeutig identifizierbar und rollenbasiert für Verbraucher, Geschäftspartner und Behörden zugänglich sein. Es handelt sich nicht um einen statischen Datensatz.
Unternehmen sehen den DPP oft als reines IT-Projekt, da Produktdaten bereits in ERP-, PLM-, Qualitäts- oder Nachhaltigkeitssystemen vorliegen. Eine einfache Funktionserweiterung birgt jedoch erhebliche Risiken, weil der DPP als permanente Infrastruktur mit regelmäßiger Anpassung an neue EU-Vorgaben, Standards und Datenmodelle fungiert. Hinzu kommt die Konsolidierung von Lieferantendaten, fortlaufende Softwarewartung und Audit-Nachweisführung. Die fachliche Verantwortung für korrekte Daten verbleibt unabhängig vom Betriebsmodell beim Unternehmen selbst.
Eine Eigenentwicklung verursacht initialen Aufwand von 300.000 bis 1,5 Millionen Euro. Der jährliche Betrieb kostet dann 350.000 bis 500.000 Euro bei kleineren, 600.000 bis über 700.000 Euro bei großen Unternehmen. Das erforderliche Team umfasst fünf bis acht Vollzeitstellen. Regulatorische Änderungen, neue Standards und unvollständige Lieferantendaten erzeugen permanente operative Risiken und zusätzliche Aufwände vor behördlichen Audits.
Eine Fremplatform eines Dienstleisters verlagert diesen Aufwand durch planbare Subskriptionsmodelle und entfällt die hohe Anfangsinvestition. Der interne Aufwand ist deutlich geringer als im Eigenbetrieb. Die Implementierung dauert typischerweise 3 bis 6 Monate gegenüber 12 bis 24 Monaten bei Eigenentwicklung. Für die Entscheidung sollten CDOs die Gesamtbelastung über Jahre hinweg rechnen, nicht nur die Integrationsdauer.
Quelle: www.it-daily.net · Erschienen 2. Juli 2026
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