Auf den Punkt: Die EZB fordert große EU-Banken auf, bis Oktober Maßnahmenpläne gegen Risiken von Frontier-KI-Modellen vorzulegen, die Cyberangriffe beschleunigen könnten.
Die Europäische Zentralbank verlangt von den größten EU-Banken, bis Ende Oktober konkrete Aktionspläne zur Bewältigung von Risiken durch fortgeschrittene KI-Modelle einzureichen. Der Anlass: KI-Systeme können Softwarelücken in bisher ungekanntem Tempo identifizieren und ausnutzbar machen.
Claudia Buch, Vorsitzende des Aufsichtsrats der Europäischen Zentralbank, hat in Schreiben an die CEOs der größten EU-Banken konkrete Handlungsschritte verlangt. Die Banken sollen bis Ende Oktober detaillierte Aktionspläne vorlegen, die aufzeigen, wie sie ihre internen Systeme stärken und externe Technologieanbieter überprüfen werden.
Buch begründet die Anforderung mit der gestiegenen Gefahr durch moderne KI-Modelle: „Neue KI-Modelle sind in der Lage, Softwarelücken zu identifizieren und funktionierende Exploits mit beispielloser Geschwindigkeit zu generieren. Dies komprimiert den Zeitraum zwischen der Entdeckung einer Sicherheitslücke und ihrer Ausnutzung erheblich – mit potenziell schwerwiegenden Folgen für Vertraulichkeit, Integrität und Widerstandsfähigkeit von Banken-IT-Systemen.“ Als Beispiel nennt die EZB KI-Systeme wie Anthropics Modell mit Cyber-Fähigkeiten.
Die Aktionspläne sollen auch Maßnahmen zur Modernisierung der IT-Infrastruktur, zur Verbesserung von Response- und Recovery-Mechanismen sowie zum Krisenmanagement enthalten. Obwohl es für Non-Compliance keine formalen Sanktionen gibt, plant die EZB, die Pläne zu nutzen, um Banken untereinander zu vergleichen und gezielt nachzufassen.
Parallel veröffentlichte der Europäische Ausschuss für Systemrisiken (ESRB) eine eigene Warnung und stuft Risiken von Frontier-KI-Modellen als systemisch ein. Der ESRB warnt, dass sich Cyberanfälle über „operationelle Engpässe“ wie Zahlungs-, Clearing- oder Abwicklungssysteme ausbreiten und das Finanzsystem erheblich destabilisieren könnten. Ohne koordinierte EU-Maßnahmen könnten diese Risiken zu strukturellen Anfälligkeiten führen, die ein systemisches Ereignis auslösen.
Die Europäische Kommission kündigte zudem einen Aktionsplan zu KI-Risiken an, der festlegen soll, wie die EU sich an Sicherheitstests fortgeschrittener Modelle beteiligen wird.
Quelle: www.politico.eu · Erschienen 7. Juli 2026
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