Auf den Punkt: Das Europäische Parlament baut eine eigene KI-Plattform auf, nutzt darin aber weiterhin dominante US-amerikanische Modelle statt europäischer Alternativen.
Das Europäische Parlament startet den EPGenAI Hub als kontrolierte Alternative zu frei verfügbaren KI-Tools in der Legislativarbeit. Die Plattform integriert jedoch neben lokalen auch US-amerikanische Sprachmodelle – und widerspricht damit eigenen Souveränitätszielen.
Das Europäische Parlament führt eine eigene Infrastruktur für generative KI ein, um die Ad-hoc-Nutzung öffentlicher Dienste bei der Gesetzgebung zu struktuieren. Der EPGenAI Hub wird Abgeordneten und Bediensteten ab September 2026 zur Verfügung stehen und soll administrative Prozesse im Parlamentsbetrieb effizienter gestalten. Eine Beta-Version wurde bereits in internen Workshops demonstriert.
Die Plattform bietet Nutzern eine Auswahlarchitektur zwischen lokalen und extern gehosteten Modellen. Lokal betrieben werden Llama (Meta), GPT-OSS (OpenAI) und Mistral Small (Mistral). Für externe Anfragen stehen ChatGPT (OpenAI) und Claude Sonnet (Anthropic) zur Verfügung. Diese Zwei-Säulen-Struktur soll einerseits Kontrolle über die Datenverarbeitung ermöglichen, andererseits Zugriff auf leistungsstarke, extern betriebene Systeme bewahren.
Die Wahl dieser Modelle steht in spannung zu expliziten EU-Strategiezielen. Im Juni 2026 ersetzte das Parlament bereits Google-Suche durch Qwant auf allen Dienst-Computern – als Schritt zur Reduktion der Abhängigkeit von digitalen Tools außerhalb der EU. Ein Parlamentssprecher begründete damals: „Es ist Teil eines größeren Maßnahmenrahmens, der darauf abzielt, die Abhängigkeit des EP von digitalen Werkzeugen außerhalb der EU zu verringern und europäische, auf den Datenschutz ausgerichtete Dienste zu fördern.“ Die Integration von OpenAI- und Anthropic-Systemen in den EPGenAI Hub widerlegt diesen Anspruch faktisch.
Europäische Open-Source-Initiativen machen Fortschritte, bleiben aber marktmäßig marginal. Ein deutsches Forschungskonsortium veröffentlichte Soofi S, das in Leistungstests andere Open-Source-Konkurrenten übertrifft, wird aber nicht als interaktiver Chatbot betrieben. Portugal startete im Juli 2026 Amália, ein auf Portugiesisch optimiertes Modell für Behörden und Unternehmen. Solche spezialisierten europäischen Lösungen sind bislang nicht in den EPGenAI-Hub integriert.
Quelle: www.it-daily.net · Erschienen 21. Juli 2026
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