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Claude Mythos entdeckt Schwachstellen in Post-Quanten-Signatur HAWK

Auf den Punkt: Claude Mythos Preview entdeckte einen praktisch durchführbaren Angriff auf HAWK-256 und eine beschleunigte Methode gegen reduziertes AES, beide wurden NIST vor Publikation mitgeteilt, während die standardrelevanteren HAWK-512/1024 praktisch nicht angreifbar bleiben.

Anthropics KI-Modell Claude Mythos Preview hat zwei neue kryptoanalytische Angriffe entwickelt: einen auf das Post-Quanten-Signaturverfahren HAWK und einen auf eine reduzierte AES-Variante. Für CISOs ist dies relevant, da HAWK derzeit von NIST standardisiert wird und potenzielle Schwächen bereits in der Entwicklungsphase erkannt werden können.

Claude Mythos Preview hat einen bislang unbekannten Angriff zur vollständigen Schlüsselwiederherstellung gegen HAWK-256 entwickelt, einen Parametersatz des Post-Quanten-Signaturverfahrens HAWK. HAWK gehört zu neun Verfahren, die das US-Standardisierungsinstitut NIST im Mai 2026 in die dritte Runde seines Auswahlprozesses für Post-Quanten-Signaturen aufgenommen hat. Der Angriff nutzt eine zuvor unbekannte Symmetrie im mathematischen Gitter aus und reduziert den erforderlichen Rechenaufwand zur Schlüsselwiederherstellung von etwa 2^64 auf 2^38 Operationen. Anthropics Implementierung benötigt für die vollständige Wiederherstellung durchschnittlich etwa drei Stunden und 42 Minuten auf einem Server mit 96 Prozessorkernen.

Anthropic betont, dass der Angriff nur HAWK-256 betrifft, nicht die relevanten Parametersätze HAWK-512 und HAWK-1024 im NIST-Standardisierungsprozess. Auch für diese schätzt Anthropic einen gesunkenen Rechenaufwand, doch bleiben beide Varianten praktisch nicht angreifbar.

Der zweite Fund betrifft eine auf sieben von zehn Runden reduzierte Version von AES-128. Solche Analysen an rundenreduzierten Varianten sind in der Kryptoanalyse üblich, um die Sicherheitsmarge einzuschätzen. Claude Mythos Preview entwickelte dafür eine Methode namens Möbius Bridge, die einen bestehenden Meet-in-the-Middle-Angriff durch Vereinfachung eines Rateschritts verkürzt. Dies beschleunigt den bisherigen besten bekannten Angriff um das 200- bis 800-fache. Der Angriff erfordert jedoch etwa 2^105 gewählte Klartexte unter einem festen Schlüssel und ist daher praktisch nicht anwendbar. Die vollständige zehnrundige AES-128 ist von beiden Erkenntnissen nicht betroffen.

Für den HAWK-Angriff arbeitete Claude Mythos Preview etwa 60 Stunden in einer Multi-Agenten-Umgebung, unterstützt durch einen Forscher ohne kryptografischen Fachkenntnisse. Für den AES-Angriff benötigte das Modell etwa drei Tage und insgesamt etwa eine Milliarde Output-Tokens. Die API-Kosten bezifferte Anthropic auf jeweils etwa 100.000 US-Dollar; deutlich aufwendiger war die anschließende menschliche Überprüfung – zwei Forscher benötigten knapp einen Monat, um die Korrektheit der AES-Methode zu verifizieren.

Anthropic teilte beide Ergebnisse vor der Veröffentlichung den HAWK-Entwicklern sowie US-Regierungs- und Industriepartnern mit und koordinierte die Offenlegung mit NIST. Bislang ist nicht öffentlich bekannt, ob NIST oder die HAWK-Entwickler Änderungen am Verfahren oder dessen Status im Standardisierungsprozess planen. Zum Veröffentlichungszeitpunkt führte NIST HAWK weiterhin als Kandidaten der dritten Runde auf.


Quelle: www.it-daily.net · Erschienen 29. Juli 2026
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