Auf den Punkt: Anthropic hat mit Claude Mythos einen praktisch kaum anwendbaren, aber akademisch relevanten Angriff auf AES-Varianten und einen verbesserten Angriff auf den Post-Quanten-Kandidaten Hawk entwickelt.
Anthropic hat mit dem Claude-Mythos-Modell Wege gefunden, Angriffe gegen zwei kryptografische Algorithmen zu beschleunigen — darunter der NIST-Kandidat Hawk für Post-Quanten-Signaturen. Die Befunde beeinträchtigen keine produktiven Systeme, zeigen aber Schwachstellen in den Sicherheitsmargen auf.
Das Claude-Mythos-Preview-Modell von Anthropic hat Methoden zur Beschleunigung von Angriffen gegen zwei kryptografische Algorithmen gezeigt. Hawk ist ein kandidierendes Verfahren für digitale Signaturen im Post-Quanten-Bereich, das derzeit vom US National Institute of Standards and Technology (NIST) bewertet wird. Der zweite Angriff zielt auf reduzierte Varianten des Advanced Encryption Standard (AES) ab.
Für Hawk konnte Mythos in nur 60 Stunden den bisher bekannten Angriff verbessern — trotz zweier Runden menschlicher Fachgutachten über zwei Jahre. Anthropic untersuchte nur die 256-Bit-Version von Hawk, während NIST die 512- und 1024-Bit-Versionen evaluiert. Dennoch ist das Ergebnis relevant: Die in der NIST-Einreichung vorgeschlagenen Schlüsselgrößen erweisen sich als erheblich schwächer als ursprünglich angenommen. Zwar bleibt Hawk mit größeren Schlüsseln praktisch unangreifbar, doch halbiert der verbesserte Angriff de facto das Sicherheitsniveau und würde deutlich längere Schlüssel erfordern. Dies würde viele der Effizienzvorteile aufzehren, die Hawk als Post-Quanten-Kandidaten attraktiv machten. Anthropic betont, dass das Ergebnis spezifisch für Hawk gilt und nicht auf andere NIST-Post-Quanten-Kandidaten oder gitterbasierte Kryptografie generell übertragbar ist.
Der zweite Angriff nutzt eine neue kryptoanalytische Technik namens „Mobius Bridge“ gegen reduzierte AES-128-Varianten mit nur sieben Runden statt der vollständigen zehn. Diese neue Methode beschleunigt bisherige Angriffe um das 200- bis 800-fache, bleibt jedoch weit von einer praktischen Bedrohung entfernt. Der Angriff setzt ein „Chosen Plaintext“-Szenario voraus, in dem der Angreifer etwa 2^105 (etwa 4 Quadrillionen) selbst gewählte Klartexte verschlüsseln lassen kann — ein völlig unrealistisches Szenario für operativ eingesetzte AES-Implementierungen.
Claude Mythos entdeckte den AES-Angriff weitgehend eigenständig. Ein Anthropic-Forscher baute ein Gerüst, das Claude ermöglichte, Hypothesen zu formulieren, diese experimentell zu validieren und dann selbst Angriffe zu entwerfen. Solche Befunde verbessern das Verständnis der Sicherheitsmargen moderner kryptografischer Verfahren — eine Standard-Praxis zur Bewertung der Robustheit von Chiffren wie AES.
Quelle: www.csoonline.com · Erschienen 29. Juli 2026
Lumi AI News — KI-assistierte Kuratierung gemaess Art. 50 EU AI Act. Paraphrase und Klassifikation durch Lumi News Pipeline v1.7.3.