Auf den Punkt: Ein von Wiz entdeckter plattformweiter Signaturschlüssel in Azure Cosmos DB hätte Angreifern mit einem gewöhnlichen Azure-Konto Zugriff auf beliebige Kundendatenbanken ermöglicht, bevor Microsoft die Architektur bis Juli 2026 vollständig überarbeitete.
Wiz-Forscher fanden in Azure Cosmos DB eine Schwachstellenkette namens CosmosEscape, die über einen plattformweiten Signaturschlüssel Lese- und Schreibzugriff auf beliebige Kundendatenbanken ermöglicht hätte – auch bei eigentlich privaten, netzwerkisolierten Konten. Microsoft schloss die Lücke laut eigenen Angaben, ohne Hinweise auf eine tatsächliche Ausnutzung durch Dritte zu finden.
Ausgangspunkt der Angriffskette war die Graphdatenbank-Abfragesprache Gremlin, eine von mehreren Schnittstellen von Azure Cosmos DB. Wiz-Forscher stießen bei Tests mit Gremlin-Abfragen auf ungewöhnliche .NET-Fehlermeldungen und schlossen daraus, dass Cosmos DB Gremlin-Abfragen intern in eigenen .NET-Code übersetzt und in einer eingeschränkten Umgebung ausführt. Die dafür vorgesehenen Beschränkungen berücksichtigten .NET-Reflection-Techniken jedoch nicht ausreichend. Dadurch erreichten die Forscher über eigene Datenbankabfragen Datei-Lese- und Schreibzugriffe sowie letztlich die Ausführung beliebigen Codes. Für den Angriff genügte laut Wiz ein gewöhnliches, in wenigen Minuten selbst erstelltes Azure-Konto mit einer eigenen Cosmos-DB-Gremlin-Datenbank – ohne besondere Berechtigungen oder vorherigen Zugriff auf fremde Systeme.
Über diesen Ausbruch erlangten die Forscher Codeausführung auf dem sogenannten DB Gateway, einem Dienst, der Kundenabfragen auf gemeinsam genutzten Service-Fabric-Clustern ausführt. Dort fanden sie Zugangsdaten zu einem Signaturschlüssel, den Wiz als Cosmos Master Key bezeichnet. Dieser Schlüssel war nicht auf ein einzelnes Kundenkonto beschränkt, sondern funktionierte plattformweit über sämtliche Mandanten, Regionen und unterstützten API-Varianten wie SQL, MongoDB, Cassandra und Gremlin hinweg. Über öffentlich erreichbare Endpunkte ließ sich damit der Primärschlüssel eines beliebigen Cosmos-DB-Kontos abrufen. Zusätzlich gewährte der Master Key Zugriff auf den Config Store, ein regionales Verzeichnis sämtlicher Cosmos-DB-Konten mit Kontonamen, Abonnement- und Mandanten-IDs sowie Netzwerkeinstellungen. Da der Config Store selbst als Cosmos-DB-Datenbank abfragbar war, ließen sich alle Konten einer Region auflisten oder gezielt nach einer bestimmten Organisation filtern – in Kombination mit dem Master Key ein Weg zur vollständigen Übernahme fremder Datenbanken.
Für CISOs mit Cosmos-DB-Einsatz zeigt der Fall, dass Mandantenisolation in Multi-Tenant-Cloud-Diensten von der internen Architektur des Anbieters abhängt und über die eigene Konfiguration hinausgeht: Selbst private, netzwerkisolierte Konten wären betroffen gewesen, weil der Master Key auf Plattformebene und nicht auf Kontoebene wirkte. Eine eigene Härtung durch den Kunden hätte diese Schwachstelle nicht verhindern können.
Wiz meldete die Schwachstelle am 20. November 2025 an Microsoft. Bereits zwei Tage später, am 22. November, spielte Microsoft einen Hotfix ein, der den betroffenen Einstiegspunkt in der Gremlin-API blockierte. Die vollständige Überarbeitung der Architektur, bei der der plattformweite Master Key entfernt sowie die Authentifizierung zwischen Diensten, Netzwerkschutz und Überwachungsfunktionen verstärkt wurden, schloss Microsoft nach eigenen Angaben im Juli 2026 über alle Azure-Regionen hinweg ab. Microsoft erklärte, im Rahmen einer Prüfung von Zugriffsprotokollen keine Hinweise auf eine unautorisierte Nutzung außerhalb der Testaktivitäten der Forscher gefunden zu haben; Kundendaten seien nicht betroffen gewesen, weiterer Handlungsbedarf für Kunden bestehe nicht. CosmosEscape ist nicht die erste von Wiz entdeckte Schwachstelle in Azure Cosmos DB: 2021 hatte das Unternehmen bereits mit ChaosDB eine über die Jupyter-Notebook-Funktion ausnutzbare Lücke offengelegt.
Quelle: www.it-daily.net · Erschienen 3. August 2026
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