Auf den Punkt: AWS zeigt zwei technische Wege, um Claude Code auf Amazon Bedrock so zu betreiben, dass Prompt- und Modellverarbeitung nachweislich eine einzelne AWS-Region nicht verlassen – klassische Invoke API mit Application Inference Profile oder der neuere Mantle-Endpunkt mit nativer Region-Bindung.
AWS beschreibt in einem aktuellen Blogbeitrag, wie sich Claude Code auf Amazon Bedrock so konfigurieren lässt, dass Modell-Inferenz nachweislich in einer einzigen AWS-Region verbleibt – ein Szenario, das für Unternehmen mit strikten Compliance-Vorgaben relevant ist. Anlass war die Anfrage eines global agierenden, in den USA ansässigen Unternehmens, das Inferenz zwingend in London (eu-west-2) verarbeiten musste, nicht nur von dort aus aufrufen wollte.
Der konkrete Compliance-Anspruch des Kunden lautete: Prompts, Completions und jegliche Zwischenverarbeitung dürfen eine einzige AWS-Region nicht verlassen – eine „ungefähre“ Einhaltung war nicht akzeptabel. AWS testete zunächst den neueren Mantle-Endpunkt (bedrock-mantle) von Anthropic, stieß dabei aber auf Einschränkungen bei der Regionsverfügbarkeit, und griff stattdessen auf die klassische Amazon-Bedrock-Invoke-API zurück. In Kombination mit einem sogenannten Application Inference Profile und einer IAM-Region-Condition ließ sich die Anforderung erfüllen.
Technisch unterscheidet AWS zwei Endpunkte mit unterschiedlicher Regionslogik. Die klassische Bedrock-Runtime-API (aktiviert über CLAUDE_CODE_USE_BEDROCK=1) routet standardmäßig über systemseitig definierte, regionsübergreifende Inference Profiles. Um eine Anfrage in einer Region zu halten, muss ein Application Inference Profile erstellt werden, das explizit auf das In-Region-Foundation-Model zeigt. Für diesen Weg unterstützt aktuell nur eu-west-2 (London) In-Region-Claude mit den Modellen Claude Opus 4.6 und Sonnet 4.6 (Modell-IDs anthropic.claude-opus-4-6-v1 und anthropic.claude-sonnet-4-6). Der neuere Mantle-Endpunkt (aktiviert über CLAUDE_CODE_USE_MANTLE=1, ab Claude Code v2.1.94) bietet native Single-Region-Steuerung allein über die Umgebungsvariable AWS_REGION, ist aber in mehr Regionen verfügbar: Irland, Stockholm, Tokio, Melbourne sowie US East (Nord-Virginia), US East (Ohio) und US West (Oregon), dort mit den Modellen Claude Sonnet 5, Opus 4.8 und Haiku 4.5.
Für CTOs mit Datenresidenz-Pflichten – etwa aufgrund von Kundenverträgen, Branchenregulierung oder nationalen Vorgaben wie in Teilen der DACH-Region – liefert der Beitrag ein belastbares Referenzmuster samt IAM-Policy zur Erzwingung der Region-Bindung und Hinweisen zur Verifikation über AWS CloudTrail. AWS betont dabei ausdrücklich, dass dieses Single-Region-Pattern die Ausnahme bleiben sollte: Für die meisten Bedrock-Workloads sei Cross-Region Inference (CRIS) weiterhin die sinnvollere Voreinstellung, da sie Durchsatz glättet, mehr Kapazität bereitstellt und früheren Zugriff auf neue Modelle ermöglicht. Genügt als Anforderung „irgendwo in der EU“, empfiehlt AWS ein EU-Cross-Region-Profil statt der aufwendigeren Single-Region-Lösung.
Voraussetzung für die Umsetzung sind aktivierter Modellzugriff für die jeweiligen Claude-Modelle sowie IAM-Berechtigungen, die je nach Pfad variieren: Für Mantle sind dies bedrock-mantle:CreateInference sowie Get*- und List*-Rechte, für den klassischen Pfad bedrock:CreateInferenceProfile, bedrock:InvokeModel und bedrock:InvokeModelWithResponseStream. In beiden Fällen sind zusätzlich IAM-Rechte zum Anlegen und Verknüpfen der regionsgebundenen Policy erforderlich.
Quelle: aws.amazon.com · Erschienen 6. August 2026
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