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Datensouveränität und operative Resilienz: Warum CTOs beide Ziele gemeinsam denken müssen

Auf den Punkt: Laut Bitkom-Studie verhindern Lock-in-Effekte bei 59 Prozent der Unternehmen einen Cloud-Anbieterwechsel, weshalb CTOs Datensouveränität als Architekturfrage statt als starre Compliance-Vorgabe angehen sollten.

Digitale Souveränität ist von einer Compliance-Fußnote zum Vorstandsthema geworden – getrieben durch NIS2, DORA und geopolitische Spannungen. Für CTOs stellt sich dabei die Frage, wie Souveränitätsstrategien mit operativer Flexibilität und Resilienz in Einklang zu bringen sind, ohne interne Prozesse zu verkomplizieren.

Regulierte Branchen wie Finanz- und Gesundheitswesen mussten Speicherort und rechtliche Rahmenbedingungen ihrer Daten schon immer im Blick behalten. Mit NIS2 und DORA gewinnen diese Fragen an Gewicht, da beide EU-Regularien die Hoheit über Daten, IT-Architekturen und Lieferketten regeln. Eine aktuelle Bitkom-Studie zeigt jedoch, dass ein Anbieterwechsel technisch anspruchsvoll bleibt: 59 Prozent der befragten Unternehmen nannten Lock-in-Effekte wie die Datenmigration als Grund, warum sie letztlich beim ursprünglichen Cloud-Anbieter bleiben. 43 Prozent sehen zudem für ihre Cloud-Anforderungen aktuell keine gleichwertigen europäischen Alternativen zu den großen Hyperscalern.

Für CTOs bedeutet das: Ein kompletter Ausstieg aus den Ökosystemen der Hyperscaler ist in der Praxis meist keine realistische Option, wenn Agilität und Innovationsfähigkeit erhalten bleiben sollen. Der Grund liegt in Funktionsumfang, Skalierung und Zuverlässigkeit der großen Anbieter, die sich nur schwer nachbauen lassen. Ein Wechsel wäre zudem ein mehrjähriges, riskantes Großprojekt, das für die meisten Organisationen kaum zu stemmen ist. Die Entscheidung, welche Daten welche Art von Kontrolle benötigen, sollte deshalb primär eine Frage der Architektur sein – nicht eine pauschale Souveränitätsvorgabe, die operative Prozesse unnötig verkompliziert.

Der eigentliche Schaden entsteht im Alltag häufig nicht durch Compliance-Verstöße, sondern durch operative Vorfälle wie Systemausfälle oder ausgenutzte Sicherheitslücken. Laut dem EuroCloud Pulse Check 2025 sehen Unternehmen in Deutschland Cybersicherheit (37 Prozent), eine flexible IT-Infrastruktur (35 Prozent) und IT-Ausfallsicherheit (34 Prozent) als zentrale Grundpfeiler ihrer Resilienz. Für CTOs folgt daraus, Souveränität und Data Residency nicht isoliert als rechtliche Pflichtübung zu behandeln, sondern als integralen Bestandteil einer umfassenderen Resilienzstrategie, die technische Flexibilität und regulatorische Anforderungen gemeinsam adressiert.


Quelle: www.it-daily.net · Erschienen 13. August 2026
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