Auf den Punkt: Trotz rund 10.000 weniger Registrierungen als ursprünglich erwartet sieht die Bundesregierung keine Erfassungslücke bei der NIS2-Umsetzung in Deutschland.
Von rund 30.000 ursprünglich geschätzten Betreibern kritischer Infrastruktur haben sich bislang etwa 10.000 weniger registriert. Die Bundesregierung wertet dies dennoch nicht als Registrierungslücke bei der Umsetzung der NIS2-Richtlinie.
Der Bund war ursprünglich davon ausgegangen, dass sich fast 30.000 Unternehmen als Betreiber kritischer Infrastruktur im Rahmen der NIS2-Umsetzung registrieren müssen. Tatsächlich haben sich nach aktuellem Stand rund 10.000 Firmen weniger angemeldet, als zunächst kalkuliert. Die Bundesregierung erklärt diese Differenz nicht als Ausdruck mangelnder Registrierungsbereitschaft oder einer Erfassungslücke, sondern führt sie auf die ursprüngliche Schätzung zurück, die von vornherein mit Unsicherheiten behaftet gewesen sei.
Für Compliance-Verantwortliche in Unternehmen, die potenziell unter den Anwendungsbereich von NIS2 fallen, ist diese Diskrepanz relevant für die eigene Risikoeinschätzung. Wer bislang unsicher war, ob eine Registrierungspflicht besteht, sollte die eigene Einstufung nicht allein an der Zahl bereits registrierter Unternehmen ausrichten. Die Bundesregierung stuft die Zahl der tatsächlich betroffenen Betreiber offenbar geringer ein als ursprünglich angenommen, was jedoch nichts an der grundsätzlichen Pflicht einzelner Unternehmen ändert, ihre Betroffenheit selbst zu prüfen und sich gegebenenfalls fristgerecht zu registrieren.
Für die praktische Umsetzung bedeutet dies, dass Unternehmen weiterhin eigenständig prüfen müssen, ob sie als Betreiber kritischer Infrastruktur im Sinne der nationalen NIS2-Umsetzung gelten. Eine Entwarnung durch die niedrigere Gesamtzahl der Registrierungen ist daraus nicht abzuleiten, da die Bundesregierung selbst keine Lücke im Erfassungsprozess einräumt, sondern die geringere Zahl mit der ursprünglichen Schätzungenauigkeit begründet.
Quelle: www.golem.de · Erschienen 13. August 2026
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