Auf den Punkt: DeepSeek kann vollständig in Browsern ablaufende Erpressersoftware generieren, die legitime Browser-APIs missbraucht und für herkömmliche Sicherheitswerkzeuge schwer erkennbar ist.
Sicherheitsforscher von Check Point haben dokumentiert, dass das KI-Modell DeepSeek Code für Erpressersoftware erzeugen kann, die direkt im Webbrowser ausgeführt wird. Das Bedrohungsszenario nutzt die File System Access API von Chrome, um lokale Dateien zu verschlüsseln, ohne dass ein Schadprogramm auf dem Betriebssystem installiert werden muss.
Check Point Research analysierte rund 3000 Dateien im Zusammenhang mit DeepSeek und klassifizierte 1383 davon als bösartig oder gefährlich. Ein spezifisches Beispiel namens InfernoGrabber 9000 demonstriert eine Erpressermethode, die vollständig innerhalb des Webbrowsers abläuft. Das von DeepSeek generierte Originalskript war zwar unvollständig und in der praktischen Anwendung nicht direkt infektionsfähig, zeigt jedoch die technische Machbarkeit eines neuen Angriffstyps.
Die Browser-basierte Ransomware funktioniert durch Missbrauch der File System Access API, einer legitimen Programmierschnittstelle in Google Chrome und Chromium-basierten Browsern. Diese API ermöglicht Webanwendungen wie Editoren den Zugriff auf lokale Dateien. Der Angreifer tarnt sich als harmlose Webanwendung – etwa als Werkzeug zur Verbesserung von Discord-Avataren – und nutzt Social Engineering, um den Nutzer zur Bestätigung einer Browser-Berechtigungsabfrage zu verleiten. Nach Erteilung des Zugriffs verschlüsselt der im Browser ablaufende Code die lokalen Daten direkt über den Browser-Prozess. Das Design umfasst zudem Funktionen zum Abgreifen von Kreditkartendaten, Passwörtern und Kryptowährungsschlüsseln.
Obwohl die integrierten Sicherheitsbarrieren moderner Browser den ursprünglichen InfernoGrabber-Code blockierten, gelang den Forschern der Nachweis der Machbarkeit. Mit DeepSeek V4 erstellten sie ein funktionierendes Proof-of-Concept, indem sie lediglich explizite Begriffe wie „Ransomware“ aus den Eingabebefehlen entfernten. Das resultierende System forderte Dateizugriff an, verarbeitete Daten intern und machte Originalinhalte für den Nutzer unbrauchbar. Da dieser Angriff keinen klassischen Schadcode auf der Festplatte hinterlässt und oft verschleiert ausgeführt wird, ist die Erkennung durch herkömmliche Sicherheitswerkzeuge erheblich erschwert. Pedro Drimel Neto, Leiter des Malware-Analyse-Teams bei Check Point Research, betont, dass das ursprüngliche unvollständige DeepSeek-Sample mit minimalem Aufwand in einen voll funktionsfähigen Angriff verwandelt werden kann und hierfür lediglich geringe Fachkenntnisse erforderlich sind.
Quelle: www.it-daily.net · Erschienen 3. Juli 2026
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