Auf den Punkt: 76 Prozent der Unternehmen erlebten Störungen durch externe Partner mit teilweise Schäden über 10 Millionen Dollar, doch nur 31 Prozent führen gemeinsame Tests mit kritischen Drittanbietern durch.
Klassische Notfallpläne schützen nicht mehr vor modernen Ausfallrisiken. Während 92 Prozent der Unternehmen glauben, ihre Recovery-Ziele zu erreichen, gelingt das im Ernstfall weniger als 40 Prozent – weil sie externe Abhängigkeiten zu wenig verstehen und testen.
Der aktuelle Optro BCM Report 2026, basierend auf 506 Befragungen von Risiko-, Compliance-, Audit-, BCM- und IT-Verantwortlichen in Nordamerika, Großbritannien, Deutschland und den Vereinigten Arabischen Emiraten, deckt eine erhebliche Lücke zwischen Planung und Realität auf: 92 Prozent der Unternehmen sind überzeugt, ihre definierten Recovery-Ziele im Ernstfall erreichen zu können. Bei der letzten größeren Störung haben das jedoch weniger als 40 Prozent tatsächlich geschafft.
Die Ursache liegt in einer veralteten Architektur von Notfallplanungsprogrammen. Viele BCM-Pläne stammen aus einer Zeit, in der Anwendungen im eigenen Rechenzentrum liefen, Lieferketten überschaubar waren und kritische Geschäftsprozesse weitgehend innerhalb der Unternehmensgrenzen blieben. Heute operieren Unternehmen in vernetzten Ökosystemen aus Cloud-Infrastrukturen, SaaS-Plattformen, externen Dienstleistern und digitalen Lieferketten – das klassische BCM reicht nicht mehr aus. 76 Prozent der befragten Unternehmen erlebten in den vergangenen zwei Jahren Störungen, die durch externe Partner verursacht wurden. Fast die Hälfte berichtete von Schäden von mindestens einer Million US-Dollar, in Deutschland gaben 8,2 Prozent Verluste von über zehn Millionen US-Dollar an.
Das zentrale Problem liegt nicht in mangelnden Investitionen. Unternehmen investieren seit Jahren in Notfallpläne, Governance-Strukturen und Wiederanlaufkonzepte – die operative Umsetzung unter realen Bedingungen scheitert jedoch häufig. Dies zeigt sich in einer weiteren Zahl: 91 Prozent der befragten Organisationen berichten von negativen Auswirkungen auf Kunden und Mitarbeitende, die durch unzureichende Reaktion auf Ausfälle entstehen.
Besonders kritisch ist das Testdefizit bei Drittanbietern: Nur 31 Prozent der befragten Organisationen führen gemeinsame Kontinuitäts- oder Krisentests mit kritischen Drittanbietern durch. Die Mehrheit verlässt sich stattdessen auf Verträge, Dokumentationen und Zusicherungen, ohne diese unter realistischen Bedingungen zu validieren. Cloud-Infrastruktur wird im Report als häufigstes einzelnes Drittanbieter-Risiko benannt. Der Ausfall eines Cloud-Anbieters kann heute hunderte Geschäftsprozesse gleichzeitig beeinträchtigen, und Störungen bei Identitätsdiensten, Datenplattformen oder Kommunikationssystemen können sich innerhalb weniger Minuten durch ganze Organisationen ausbreiten.
Quelle: www.it-daily.net · Erschienen 17. Juli 2026
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