Auf den Punkt: Wegen wachsender Quantencomputer-Investitionen, EU-Vorgaben bis 2030 und der Gefahr von "Harvest now, decrypt later"-Angriffen sollten Unternehmen die Migration auf Post-Quantum-Kryptografie jetzt risikobasiert planen statt abzuwarten.
Giesecke+Devrient (G+D) mahnt Unternehmen und Betreiber kritischer Infrastrukturen, die Umstellung auf Post-Quantum Cryptography vorzubereiten, bevor leistungsfähige Quantencomputer verfügbar sind. Grund ist unter anderem die Gefahr von "Harvest now, decrypt later"-Angriffen, bei denen heute verschlüsselte Daten für eine spätere Entschlüsselung gesammelt werden.
Ausreichend leistungsfähige Quantencomputer könnten künftig kryptografische Verfahren brechen, auf denen heute Zahlungssysteme, digitale Identitäten, Mobilfunknetze, IoT-Infrastrukturen und staatliche Systeme aufbauen. G+D verweist darauf, dass neue wissenschaftliche Arbeiten nahelegen, dass für bestimmte Angriffe möglicherweise weniger leistungsfähige Quantencomputer nötig sein könnten als bisher angenommen. Laut McKinsey haben sich die globalen Investitionen in Quantencomputing innerhalb eines Jahres versechsfacht. Google und Cloudflare haben eigene Migrationszeitpläne formuliert und streben eine Umstellung auf Post-Quantum Cryptography bis 2029 an.
Auch regulatorisch entsteht Druck: Die EU veröffentlichte im Juni 2024 eine koordinierte Roadmap zur Migration, wonach besonders kritische Anwendungsfälle spätestens bis Ende 2030 auf quantensichere Verfahren umgestellt werden sollen. Parallel arbeiten Standardisierungsorganisationen wie GSMA, 3GPP, ICAO und IETF an der Weiterentwicklung bestehender Standards und Protokolle für Post-Quantum-Kryptografie. Für CISOs bedeutet das: Die Migration ist nicht länger ein rein akademisches Zukunftsthema, sondern eine konkrete Compliance- und Sicherheitsaufgabe mit Umsetzungsfristen.
Besondere Brisanz erhält das Thema durch „Harvest now, decrypt later“-Angriffe: Angreifer sammeln bereits heute verschlüsselte Informationen, um sie später mit ausreichend leistungsfähigen Quantencomputern zu entschlüsseln. Betroffen sind vor allem Daten mit langer Schutzdauer – wer Informationen hat, die auch in zehn oder zwanzig Jahren noch vertraulich bleiben müssen, kann die Absicherung nicht bis zur tatsächlichen Verfügbarkeit von Quantencomputern aufschieben.
Die Umstellung selbst lässt sich laut G+D nicht kurzfristig realisieren, da Kryptografie tief in Anwendungen, Netzwerken, Identitätssystemen und digitalen Infrastrukturen verankert ist. Als erster Schritt empfiehlt sich eine Bestandsaufnahme der eingesetzten kryptografischen Verfahren, der Verarbeitungsorte besonders schützenswerter Daten und der Systeme mit langer Lebensdauer. Auf dieser Basis kann eine risikobasierte, schrittweise Migration erfolgen, bei der besonders kritische Systeme – etwa digitale Ausweisdokumente mit langfristig integritätskritischen Signaturen sowie Mobilfunk- und eSIM-Infrastrukturen – priorisiert umgestellt werden.
Quelle: www.it-daily.net · Erschienen 13. August 2026
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