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Angebliche Wasserzeichen-Entferner für Claude-Texte: Wirksamkeit fraglich, Risiko real

Auf den Punkt: Kursierende Werkzeuge zur Entfernung von Claudes Text-Wasserzeichen können nachweislich nur Metadaten löschen, nicht aber das eigentliche wortwahlbasierte Wasserzeichen – bergen dafür aber über nachgeladene Drittanbieter-Archive eigene Supply-Chain-Risiken.

Wenige Tage nach Einführung des Text-Wasserzeichens für Claude kursieren bereits mehrere Werkzeuge, die dessen Entfernung versprechen. Unabhängige Prüfungen zeigen jedoch, dass sie das eigentliche, wortwahlbasierte Wasserzeichen gar nicht angreifen können – dafür aber eigene Risiken für die Software-Lieferkette mitbringen.

Seit dem 2. August 2025 versieht Anthropic Text, der von neueren Claude-Modellen erzeugt wird, mit einem unsichtbar in die Wortwahl eingewobenen Wasserzeichen. Unterstützte Dateiformate erhalten zusätzlich signierte C2PA-Metadaten. Auslöser ist Artikel 50 des europäischen AI Act, der seit demselben Datum durchsetzbar ist und bei Verstößen Bußgelder von bis zu 15 Millionen Euro oder 3 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes vorsieht. Nur wenige Tage später kursieren bereits mehrere Werkzeuge, die eine Entfernung dieses Wasserzeichens versprechen – darunter das quelloffene, MIT-lizenzierte Projekt watermarks-remover des Entwicklers Guillaume Meyer, weitere GitHub-Projekte, neu registrierte Webseiten sowie ein entsprechendes Angebot des kommerziellen Anbieters StealthGPT, der sich auf die Umgehung von KI-Erkennungssoftware spezialisiert hat.

Laut dem Fachmagazin BleepingComputer lassen sich von den beworbenen Funktionen tatsächlich nur zwei nachvollziehen: das Entfernen versteckter, unsichtbarer Zeichen im Text sowie das Löschen von C2PA-, EXIF- und XMP-Metadaten aus Dateien – Effekte, die ohnehin schon durch erneutes Speichern, eine Formatumwandlung oder einen Screenshot eintreten. Das eigentliche Wasserzeichen steckt jedoch nicht in versteckten Zeichen, sondern in der konkreten Wortwahl des Modells und ließe sich nach bisherigem Kenntnisstand nur durch eine umfassende Neuformulierung mittels eines zweiten Modells entfernen. Meyer selbst räumte öffentlich ein, sein Werkzeug entferne bislang lediglich Metadaten; eine tatsächliche Entfernung des wortwahlbasierten Wasserzeichens sei derzeit nicht verfügbar. Der Sicherheitsforscher Pasquale Pillitteri wertete zudem den Quellcode mehrerer Projekte aus und stellte fest, dass ein verbreitetes Werkzeug die gängigste Technik zum Verstecken von Nutzdaten im Text vollständig unangetastet lässt.

Für CISOs ist weniger die begrenzte technische Wirksamkeit dieser Tools relevant als deren praktische Einbindung. Anthropic weist selbst darauf hin, dass ein erkanntes Wasserzeichen lediglich bedeutet, dass ein Text von Claude verarbeitet wurde – nicht zwangsläufig vollständig von Claude verfasst, da bereits ein Grammatik-Check, eine Übersetzung oder eine Zusammenfassung durch das Modell die Markierung auslöst. Das Unternehmen kündigt an, künftig externe Detektionsmöglichkeiten zu unterstützen und weitere technische Dokumentation zu veröffentlichen.

BleepingComputer sieht die eigentliche Gefahr in der praktischen Nutzung solcher Werkzeuge: Das Projekt watermarks-remover lässt sich als sogenannter Agent Skill direkt in bestehende KI-Agenten-Workflows einbinden und lädt über eine optionale Bewertungsfunktion zusätzlich ein rund 220 Megabyte großes Archiv aus einem Drittanbieter-Repository nach – ein klassischer Vektor für Supply-Chain-Risiken. Das Magazin betont, keines der Werkzeuge selbst geprüft zu haben, und rät zur gleichen Vorsicht wie bei jedem anderen ungeprüften Code aus dem Internet. Während die aktuellen Projekte zumindest offen einsehbaren Quellcode bieten, warnt BleepingComputer, dass eine kommende Welle ähnlicher Werkzeuge angesichts der bereits nachgewiesenen Nachfrage deutlich weniger transparent ausfallen könnte. Für Sicherheitsverantwortliche empfiehlt sich daher, Agent-Skill-Integrationen und Drittanbieter-Nachladefunktionen in KI-Workflows besonders kritisch zu prüfen, bevor sie in produktiven Umgebungen zum Einsatz kommen.


Quelle: www.it-daily.net · Erschienen 14. August 2026
Lumi AI News — KI-assistierte Kuratierung gemaess Art. 50 EU AI Act. Paraphrase und Klassifikation durch Lumi News Pipeline v1.8.3.

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