Auf den Punkt: KI-Agenten ermöglichen es Cybersecurity-Teams, Bedrohungserkennung zu skalieren, eröffnen aber Angreifern die gleichen Automatisierungsmöglichkeiten — während der Schutz KI-gestützter Systeme selbst durch deren Unvorhersehbarkeit und Konnektivitätsanforderungen erschwert wird.
Check Point setzt KI-Agenten ein, um Threat-Intelligence zu skalieren und Produkte effizienter zu testen — zugleich machen Generative AI und autonome Systeme es Angreifern leichter, Kampagnen in großem Maßstab zu automatisieren und neue Ziele in KI-gesteuerten Unternehmensinfrastrukturen zu finden.
Jonathan Zanger, CTO von Check Point Software, beschreibt die gegenwärtige Lage in der Cybersecurity als tiefgreifenden Umbruch — vergleichbar mit dem Aufkommen des Internets. Das Unternehmen nutzt KI-Agenten zur Skalierung seiner Threat-Detection: Rote Teams, die früher manuell Produkte auf Sicherheitslücken testeten, arbeiten heute 20-mal effizienter. Etwa 300 KI-Instanzen überwachen und testen kontinuierlich die Systeme — eine Kombination aus menschlicher Expertise und automatisierter Analyse, die es ermöglicht, schneller neue Signaturen gegen Angreifer zu entwickeln und verdächtige Netzwerke zu identifizieren und zu blockieren.
Doch dieselbe Technologie befähigt auch Cyberkriminelle. Generative KI senkt die Einstiegshürde für Angreifer: Kleinere, schnellere Threat-Gruppen können Phishing-Kampagnen mit geringerer technischer Expertise durchführen, Malware automatisiert erstellen und Exploits beschleunigen. Die Folge ist eine Vervielfachung von Angriffsgruppen und eine höhere Anschlagsgeschwindigkeit. Für CISOs entsteht damit eine doppelte Herausforderung: Sie müssen nicht nur ihre bestehende Infrastruktur schützen, sondern auch KI-Systeme absichern, die vermehrt in Unternehmen deployed werden.
Ein kritisches Problem liegt in der Natur von KI-Agenten selbst: Im Gegensatz zu deterministischen Systemen, die bei gleicher Eingabe vorhersagbare Outputs liefern, verhalten sich KI-Agenten nicht immer vorhersehbar. Sie verstehen natürliche Sprache, handhaben Mehrdeutigkeit und erfordern damit fundamentale Veränderungen in der Sicherheitsarchitektur. Zusätzlich entsteht ein struktureller Konflikt: Security-Teams wollen die Verbindungen von KI-Systemen minimieren, um die Angriffsfläche zu begrenzen. AI-Promoter hingegen fordern maximale Konnektivität zur Datenerfassung — je mehr Verbindungen, desto höher das Risiko und die Angriffsfläche.
Zanger warnt: Während generative KI die Softwareentwicklung beschleunigt und demokratisiert, nutzen Cyberkriminelle dieselben Fähigkeiten, um Phishing, Ransomware, Malware und Vulnerability-Exploits zu skalieren. Organisationen müssen sich auf ein Umfeld einstellen, in dem Bedrohungen schneller entstehen und in größerem Volumen auftreten. Die klassischen Abwehrstrategien — Zugriffsbeschränkung und manuelle Analyse — reichen nicht mehr aus.
Quelle: www.csoonline.com · Erschienen 10. Juli 2026
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