Auf den Punkt: Angreifer umgehen Erkennungssysteme zunehmend durch Missbrauch legitimer Systeme und KI-gestützte Malware-Generierung, statt traditionelle Malware einzusetzen.
2025 zeigt einen Paradigmenwechsel bei Cyberangriffen: 79 Prozent der erfolgreichen Attacken verzichten auf Malware und missbrauchen stattdessen legitime Bordmittel von Betriebssystemen sowie gestohlene Zugangsdaten. Diese Taktik umgeht traditionelle Erkennungssysteme nahezu unentdeckt.
Die Techniken heißen Living-off-the-Land (LOTL) und Living-off-the-Services (LOTS). Bei LOTL kapern Angreifer legitime Systemtools wie PowerShell, WMI oder Skript-Engines, die standardmäßig in Windows-, Linux- und macOS-Installationen enthalten sind. Mit gestohlenen Anmeldedaten agieren sie als normale Nutzer und lösen keinen Alarm aus – ihre Aktivitäten wirken wie reguläre Benutzeraktionen.
Bei LOTS gehen Cyberkriminelle einen Schritt weiter und nutzen Cloud-Dienste als Infrastruktur: Sie hinterlegen Metadaten und Zugangsdaten in Google Sheets, Firebase oder Supabase und übermitteln Command-and-Control-Befehle über Slack oder Discord. Diese Taktik ist besonders effektiv, weil die Kommunikation durch legitime Dienste laufen und damit in regulärem Netzwerk-Traffic untergehen.
Künstliche Intelligenz verstärkt diesen Trend erheblich. LLMs ermöglichen es Hacker-Organisationen, funktionsfähige Malware in großem Maßstab zu generieren – nicht durch anspruchsvoll codierte Tools, sondern durch die Nutzung von im Modell eingespeisten SDKs, Dokumentationen und Code-Beispielen. CrystallShell ist ein aktuelles Beispiel: Diese in der Programmiersprache Crystal entwickelte Backdoor arbeitet plattformübergreifend (Windows, Linux, macOS) und nutzt fest programmierte Discord-Kanal-IDs für die Kommunikation.
Für CISOs verschärft sich die Situation durch wachsende IT-Komplexität: Cloud-Dienste, hybride Infrastrukturen, mobile Arbeitsplätze und digitale Lieferketten vergrößern die Angriffsfläche kontinuierlich. Gleichzeitig identifizieren automatisierte und KI-gestützte Angriffsmethoden Schwachstellen und Konfigurationsfehler deutlich schneller als früher.
Ein struktureller Gegenpol sind präventive Sicherheitsplattformen, die Angriffsketten unterbrechen, bevor sie Schaden anrichten. Der klassische reaktive Ansatz (Detektion nach erfolgtem Eindringen) reicht nicht mehr aus – der Fokus muss auf Prävention liegen.
Quelle: www.it-daily.net · Erschienen 14. Juli 2026
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