Auf den Punkt: Die Menge der monatlich gefundenen Sicherheitslücken ist aufgrund verbesserter KI-gestützter Schwachstellenerkennung stark gestiegen; Sicherheitsteams müssen ihre Reaktionszeiten anpassen und dabei das Risiko priorisieren statt rein nach Exploitability-Index vorzugehen.
Microsoft hat im Juli 569 Sicherheitslücken behoben – ein monatlicher Rekord – und empfiehlt CSOs, ihre Patch-Zyklen zu beschleunigen. Parallel veröffentlichte SAP 20 Sicherheits-Updates, darunter eine kritische Memory-Corruption-Lücke in NetWeaver mit CVSS-Score 9,9.
Mit 569 Sicherheitslücken in diesem Monat hat Microsoft einen neuen Monatsrekord gesetzt. 59 davon sind als kritisch eingestuft. Zum Vergleich: Im Juni lagen die Zahlen noch bei 198 Patches. Das bisherige Jahresrekord-Volumen von 1.245 Sicherheitslücken aus dem gesamten Jahr 2020 könnte nach Einschätzung von Satnam Narang, Senior Staff Research Engineer bei Tenable, bis Ende dieses Jahres übertroffen werden.
Unter den Patches sind drei sogenannte Zero-Days: CVE-2026-56155 (Privilege-Escalation in Active Directory Federation Services) und CVE-2026-56164 (SharePoint Server) werden bereits aktiv ausgenutzt. CVE-2026-50661 ist eine Security-Feature-Bypass in Windows BitLocker, die öffentlich offengelegt wurde. Experten vermuten Verbindung zu Zero-Day-Offenlegungen durch den Forscher „Nightmare Eclipse“ oder „Chaotic Eclipse“, ohne dass dies offiziell bestätigt wurde.
Die sprunghaft gestiegenen Zahlen sind auf verbesserte KI-Modelle zurückzuführen, die Schwachstellen schneller erkennen. Allerdings warnen Experten: Das Exploitability-Index-System, das die Wahrscheinlichkeit einer praktischen Ausnutzung bewertet, orientiert sich noch an menschlichen Fähigkeiten. Anthropic’s Red-Team-Tests zeigten, dass ein KI-Modell in 13 von 14 Fällen Proof-of-Concept-Exploits für als „Exploitation Less Likely“ eingestufte Lücken erstellen konnte.
Parallel veröffentlichte SAP 20 Patches. Kritischste Lücke ist eine Memory-Corruption in NetWeaver Application Server ABAP, SAP Kernel und Frontend-Services (SAP GUI for HTML) mit CVSS-Score 9,9.
CSOs müssen ihre Priorisierungsstrategie überdenken: Das bisherige Vertrauen auf Exploitability-Ratings wird angesichts automatisierter Exploit-Entwicklung unzureichend. Die Juli-Zahlen übertreffen bereits sämtliche Jahreswerte der letzten 20 Jahre.
Quelle: www.csoonline.com · Erschienen 15. Juli 2026
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