Auf den Punkt: Der Widerstand gegen europäische Software ist in deutschen Unternehmen binnen eines Jahres um über 90 Prozent gesunken, während gleichzeitig die Migration zu solchen Lösungen deutlich an Fahrt gewinnt.
In Deutschland zeigt sich ein deutlicher Wandel bei der Softwareauswahl: Nur noch 4,6 Prozent der IT-Entscheider lehnen europäische Lösungen kategorisch ab, vor einem Jahr waren es noch 47,7 Prozent. Parallel setzen bereits 39,7 Prozent der Unternehmen europäische Software aktiv um.
Grundlage der Erkenntnisse ist die Studie „State of Digital Sovereignty 2026: Uncharted Waters“ des Sicherheitsanbieters Myra Security, die 1.007 IT-Entscheider in Deutschland befragt hat. Der Rückgang der grundsätzlichen Ablehnung von 47,7 auf 4,6 Prozent markiert einen Stimmungswechsel, der sich auch in den Handlungsraten widerspiegelt: 39,7 Prozent der Unternehmen befinden sich derzeit in der Einführung europäischer Lösungen, gegenüber 20,4 Prozent im Vorjahr.
Im europäischen Vergleich mit Frankreich (504 Entscheider) und Skandinavien (307 Entscheider in Dänemark, Schweden, Norwegen und Finnland) zeigt sich für Deutschland ein differenziertes Bild: Bei der tatsächlichen Umstellung liegt Deutschland mit 39,7 Prozent knapp vor Frankreich (38,5 Prozent) und den nordischen Ländern (35,5 Prozent). Bei der grundsätzlichen politischen Unterstützung für europäische Digitalprodukte in Staat und kritischer Infrastruktur deutlich dahinter: Während in Frankreich 93,6 Prozent und in den nordischen Ländern 88,9 Prozent zustimmen, sind es in Deutschland 87,5 Prozent — allerdings gegenüber dem Vorjahr (84,4 Prozent) gestiegen.
Ein Gegentrend zeigt sich jedoch bei der Affinität zu US-Technologie: 19,8 Prozent der deutschen IT-Entscheider geben an, verstärkt auf US-Software zu setzen, in Frankreich sind es 24,8 Prozent und in Skandinavien 16,9 Prozent. Im Durchschnitt hat aber rund die Hälfte der europäischen Befragten ihren Fokus auf digitale Souveränität verschärft.
Für CDOs und Compliance-Verantwortliche besonders relevant: 57,6 Prozent der deutschen Entscheider sehen digitale Souveränität als kritisch in der Cybersicherheit, 50,1 Prozent im Bereich künstliche Intelligenz und 57,6 Prozent bei Cloud-Diensten. Praktische Hürden bleiben jedoch bestehen: 34,6 Prozent nennen hohe Migrationskosten als Barriere, hinzu kommt ein verbreiteter Informationsmangel über verfügbare europäische Alternativen zu etablierten US-Lösungen.
Quelle: www.it-daily.net · Erschienen 17. Juli 2026
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