Auf den Punkt: Frankreich und Deutschland verpflichten sich zur Entwicklung einer europäischen Datenverarbeitungsinfrastruktur als Alternative zur US-Software Palantir, um digitale Souveränität in der Verteidigung zu erreichen.
Frankreich und Deutschland wollen eine europäische Souveränität in der Militär-Datenverarbeitung aufbauen und prüfen die Entwicklung einer Alternative zur Palantir-Software. Hintergrund ist das Bestreben europäischer Länder, ihre Abhängigkeit von US-amerikanischen Anbietern zu verringern.
In einer gemeinsamen Erklärung nach Gesprächen zwischen dem deutschen Bundeskanzler Friedrich Merz und dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron kündigten beide Länder am Freitag an, ein „europäisches Datenrückgrat mit Fokus auf datenzentrierte Sicherheit, künstliche Intelligenz und Cloud-Lösungen“ zu prüfen. Konkret nennen sie Frankreichs KI-gestützte Plattform Arcadia als Beispiel sowie vergleichbare deutsche Lösungen.
Der Schritt folgt konkreten Maßnahmen beider Länder: Frankreichs Geheimdienst kündigte im Juni seinen Vertrag mit Palantir und wählte stattdessen das französische System ChapsVision. Auch der deutsche Geheimdienst entschied sich bereits für ChapsVision. Die französischen Streitkräfte bewerben seit längerem die Plattform Arcadia als Pendant zu Palantirsoftware Maven, die auch von der NATO genutzt wird. Ein NATO-Kommandeur bestätigte gegenüber Politico, dass es derzeit keine echte europäische Alternative gebe.
Für Datenverantwortliche (CDOs) hat diese Initiative regulatorische und operative Konsequenzen: Sie müssen mit einer Neuausrichtung militärischer und sicherheitsbehördlicher Systeme rechnen, bei der europäische Lösungen bevorzugt werden. Dies betrifft Standards für Datenverwaltung, KI-Integration und Cloud-Infrastrukturen im Verteidigungssektor. Gleichzeitig zeigt sich ein neuer regulatorischer Trend zur erzwungenen Daten-Lokalisierung und dem Ausschluss US-amerikanischer Anbieter aus sensiblen Bereichen.
Neben der Palantir-Alternative verständigten sich Frankreich und Deutschland auf weitere Rüstungskooperationen: Beim Projekt MGCS (Franco-German Main Ground Combat System) zur Ablösung von Leopard-2- und Leclerc-Panzern wird ein Forschungsprogramm gestartet, das autonomes Fahren, Sensoren und Netzwerktechnik auf dem Schlachtfeld umfasst. Mit Großbritannien prüfen beide Länder zudem Kooperationen bei Langstreckenraketen mit bis zu 2.500 Kilometern Reichweite. In der Raumfahrt streben Frankreich und Deutschland verstärkte Nutzung europäischer Träger wie Ariane 6 für Militärausrüstung an.
Quelle: www.politico.eu · Erschienen 17. Juli 2026
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