Auf den Punkt: Der wahrgenommene Fachkräftemangel in der Cybersicherheit ist symptomatisch für organisatorische und strategische Defizite, nicht primär ein Personalrekrutierungsproblem.
Der Cybersicherheit wird häufig ein massiver Fachkräftemangel vorgeworfen – eine Sicht, die insbesondere durch regulatorische Anforderungen wie NIS2, DORA und der Cyber-Resilience-Act verstärkt wird. Doch Recruiter und bessere Bezahlung lösen das eigentliche Problem nicht.
Seit Jahren wird der Mangel an qualifizierten Cybersicherheitsfachleuten als zentrale Herausforderung für Unternehmen beschrieben. Regulatorische Verschärfungen durch die Richtlinie NIS2, die Verordnung DORA (Digital Operational Resilience Act) und der Cyber-Resilience-Act verschärfen diesen wahrgenommenen Druck zusätzlich. Viele Organisationen reagieren mit dem naheliegendsten Ansatz: aggressivere Rekrutierung, höhere Gehälter und Investitionen in neue Sicherheitswerkzeuge.
Diese Strategie berücksichtigt jedoch nicht, dass der eigentliche Engpass nicht in der Verfügbarkeit von Fachkräften liegt. Stattdessen offenbaren sich in der Praxis organisatorische Schwachstellen: unklare Verantwortlichkeiten, fragmentierte Prozesse, mangelnde Abstimmung zwischen IT-Sicherheit und Geschäftsbetrieb sowie ineffiziente Nutzung vorhandener Expertise.
CISOs, die erfolgreich Cybersicherheit in ihren Organisationen verankern, konzentrieren sich nicht primär auf die Stellenausschreibungsliste. Sie optimieren stattdessen ihre Governance-Strukturen, definieren Rollen und Verantwortlichkeiten klar, automatisieren repetitive Aufgaben und bauen eine Sicherheitskultur auf, in der auch Fachkräfte mit mittlerem Erfahrungsniveau höhere Wertbeiträge leisten können. Die regulatorischen Anforderungen von NIS2 und DORA werden durch diesen strukturierten Ansatz nicht leichter – sie werden jedoch systematisch adressierbar.
Quelle: www.security-insider.de · Erschienen 22. Juli 2026
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