Auf den Punkt: KI optimiert bestehende Angriffsvektoren wie Phishing und Credential-Missbrauch, während Ransomware-Kampagnen parallel Datendiebstahl und mehrschichtige Erpressung einsetzen – menschliche Urteilskraft bleibt die Hauptangriffsfläche.
Der aktuelle „AI-Era Ransomware Report 2026" von Proofpoint zeigt: KI erhöht die Erfolgsquote von Ransomware-Kampagnen erheblich, indem sie Phishing glaubwürdiger macht und Identitätsdiebstahl effizienter umsetzt. 66 Prozent deutscher Unternehmen beobachten einen direkten Zusammenhang zwischen KI-Einsatz und verbesserter Angriffswirksamkeit.
Der Report basiert auf einer Befragung von 953 Cybersicherheitsexperten aus zwölf Ländern. In Deutschland sehen 66 Prozent der betroffenen Organisationen KI als Faktor für erhöhte Angriffseffektivität: 26 Prozent berichten von deutlicher Steigerung, 40 Prozent von moderatem Einfluss. Lediglich 5 Prozent fanden keine Hinweise auf KI-Einsatz bei Angriffen.
KI verändert nicht die grundlegende Angriffsmechanik, sondern optimiert bestehende Methoden. Angreifer nutzen sie, um Phishing-Nachrichten überzeugender zu formulieren, gestohlene Identitäten authentischer zu imitieren und kompromittierte Zugangsdaten zielgerichteter auszunutzen. Phishing-E-Mails waren in 37 Prozent der Vorfälle der Einstiegspunkt, schädliche Links und infizierte Anhänge kamen jeweils in 45 Prozent zum Einsatz. Diebstahl von Anmeldedaten spielte in 37 Prozent eine Rolle, Business Email Compromise in 26 Prozent.
Ransomware zielt heute nicht mehr primär auf Datenverschlüsselung. Bei 67 Prozent der betroffenen deutschen Unternehmen wurden sensible Daten entwendet und anschließend als Erpressungsmittel eingesetzt – entweder für weitere Forderungen, Verkauf auf kriminellen Plattformen oder zur Vorbereitung von Folgeangreffen. Cyberkriminelle üben damit über längere Zeiträume Druck aus und nutzen mehrere Hebel gleichzeitig: verschlüsselte Systeme, gestohlene Informationen und Veröffentlichungsdrohungen.
Der Mensch bleibt Schachschwachstelle: 36 Prozent der Unternehmen gaben an, dass Mitarbeiter die Angriffe für legitim hielten, 35 Prozent führten Vorfälle darauf zurück, dass Beschäftigte bewusst mit schädlichen Inhalten interagierten. Damit erschwert KI die Unterscheidung zwischen echter Geschäftskommunikation und professionell gestalteten Betrugsversuchen für Nutzer erheblich.
Lösegeldzahlungen bieten keinen Schutz: 41 Prozent der betroffenen deutschen Unternehmen zahlten Forderungen nach. Davon wurden 29 Prozent später erneut erpresst – ein Indiz für professionalisierte, mehrphasige Angriffskampagnen.
Quelle: www.it-daily.net · Erschienen 24. Juli 2026
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