Auf den Punkt: CISOs müssen jetzt beginnen, ihre Verschlüsselungslandschaften auf Post-Quantum-Kryptografie zu inventarisieren und Migrationspläne zu etablieren, bevor standardisierte Quantensicherheitsalgorithmen flächendeckend umgesetzt werden müssen.
Quantencomputer könnten asymmetrische Verschlüsselungsverfahren brechen, auf denen heute kritische IT-Infrastrukturen basieren. Die Migration zu quantensicherer Kryptografie ist kein technisches Zukunftsprojekt mehr, sondern eine Regulierungs- und Governance-Aufgabe für jeden CISO.
Die Leistungsfähigkeit von Quantencomputern beruht auf fundamentalen physikalischen Prinzipien, die Rechenprozesse revolutionieren. Besonders relevant für die IT-Sicherheit: Quantenrechner können mathematische Probleme lösen, auf denen moderne asymmetrische Kryptografie basiert. RSA, ECDSA und ähnliche Verfahren, die heute den Schutz von Verschlüsselung, digitalen Signaturen und Key-Exchange sicherstellen, gelten gegenüber ausreichend leistungsstarken Quantencomputern als verwundbar.
Für CISOs bedeutet das konkret: Daten, die heute mit RSA oder ECC verschlüsselt werden, könnten in fünf bis zehn Jahren von einem hinreichend großen Quantencomputer dekodiert werden – auch wenn die Daten bereits seit Jahren archiviert sind. Diese „Harvest Now, Decrypt Later“-Angriffe machen auch Altdaten zum Ziel. Regulatorische Anforderungen wie BSI-Vorgaben und künftige EU-Richtlinien werden daher zunehmend verlangen, dass Organisationen einen Übergangspfad zu Post-Quantum-Kryptografie (PQC) nachweisen.
Die vier praktischen Schritte lauten: (1) Bestand aufnehmen – alle Systeme, Geräte und Datenströme identifizieren, die RSA, ECC oder andere anfällige Verfahren nutzen. (2) Risiken priorisieren – unterscheiden zwischen langlebigen Daten (High Risk, frühe Migration nötig) und kurzlebigen Transaktionen (Lower Risk, später migrierbar). (3) Post-Quantum-Algorithmen evaluieren – von NIST bereits standardisierte Algorithmen wie ML-KEM (Kyber) und ML-DSA (Dilithium) testen und in Testumgebungen validieren. (4) Migrationsplan etablieren – Zeitlinie, Ressourcentzuweisung und Compliance-Tracking festlegen, orientiert an regulatorischen Fristen und Kritikalität der Assets.
Wichtig für CISOs: Diese Migration ist keine isolierte Technik-Aufgabe. Sie erfordert koordinierte Arbeit zwischen Security, Architektur, Betrieb und Recht – und sollte in bestehende Zero-Trust- und Verschlüsselungs-Governance-Prozesse integriert werden, nicht als separates Projekt daneben laufen.
Quelle: www.security-insider.de · Erschienen 29. Juli 2026
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